Auch in der Musik

Krankheit bleibt der Kick

(aus: Utopathie vorweg:  a) Zukunftsmusik, b) Gattungsgegenwart)

 

Thesen:

  1. Zuallererst Krankheit und Revolution, statt Musik und Drogen und dann Krankheit und Schluß damit.

  2. Die Musik hat abgedankt, ohne zurückzutreten, die Musik samt Musikern, Musikwissenschaftlern, Musiklehrern und Musikinstrumenten, seit Techno dran ist.

  3. Techno steht für eine Umwälzung, also für eine Revolution der Musik auf ursprüngliche klassenlose Zustände, auf Zustände, in denen Musik noch frei verfügbare Krankheitskraft war, lange bevor die Klasse der Priesterärzte sie gleich den Drogen in Religion und Mystik kanalisiert, dem Tod und der Schinderei überantwortete, statt der notwendigen dauernden Revolutionierung aller Verhältnisse kraft Krankheit.

  4. Aus dem was früher Musik war und aus allen fortbestehenden Süchten, und niemand ist frei davon, ist eine Krankheitskraft zu entwickeln, die mit einer der Tierwelt vergleichbaren Instinktsicherheit eine selbstregulierte Weltgesellschaft hervorbringt, zum ersten Mal die Gattung Mensch; Tiere und Pflanzen können das seit Urzeiten mit und ohne Musik. Nach dem Untergang der Musik ist auch für Menschen hier freie Bahn.

  5. Es gibt keine Musiktherapie. Revolution ist die einzige Therapie.

  6. Es kommt nicht auf die Schädigungen an durch die Droge Musik, und nicht auf die Schädigungen durch die Droge als Musik. Lärm, Ton, Klang, Geräusch, samt Rede und Gesang, sind nebensächlich. Hauptsache in der unumkehrbar stoffentfremdeten Welt der allgemeinen Krankheit, die alle in sich tragen, ist die stoffwechselnde Betriebswärme , das Musikfieber sozusagen, die Betriebswärme, ohne die kein (Akustik-)Generator auch nur anläuft, das wenn auch noch so minimale Fieber, ohne dessen krankheitskräftige Abwehrwirkung kein Spurenelement Nahrung, Droge, Atmosphäre, auf Dauer noch verdaulich ist, das so besagte Musikfieber, das thermomimetisch Massen in tierisch helle Begeisterung versetzen kann, bis hin zur MFE-gebündelten Auslösung kosmisch-sozialrevolutionärer Bewegungsstürme, Musik nur noch in den Ohren vielleicht der Cherubim, falls diese welche brauchen.

  7. Bewußtsein und Bewußtseinserweiterung gehören in den noch fortbestehenden Musikbetrieb. Es geht auch in all dem, was Musik schon einmal gewesen ist, heute und künftig nicht mehr um Spiritualität, Bewußtsein in Bewußtseinserweiterung, nicht mehr um Magie und Mystik, auch nicht und schon gar nicht um Wissenschaft, und sei es auch nur Musikwissenschaft. Es geht um Gewißheit, um Krankheitsgewißheit und deren Kräftigung und Ausbreitung mit dem Ziel, die Gattung Mensch zum ersten Mal herzustellen, mit dem Zweck, dem Mißbrauch der Krankheitskräfte durch die Ärzteklasse in jeder Herrschafts-, Unterdrückungs- und Ausplünderungsform ein Ende zu setzen, gleichgültig wie weit immer noch weg vom endgültigen Schlußpunkt. Jedes andere, noch so spirituelle und erweiterte Bewußtsein, zu dem man zu allem Medienüberfluß auch sonst noch was erfährt und weiß, macht niemanden mehr heiß, niemanden mehr heiß genug, den sprichwörtlichen Krebsgang umzukehren, geschweige denn die Krebsabwehr in die eigenen Hände zu nehmen.

  8. Ohne Kränkung keine Revolution. Das gilt aktiv und passiv. Habt Mut, Musik zu machen, je falscher desto besser, je kranker desto lieber, lärmender und länger. In Seuchen und Kriegen das beste Mittel zur Feindabwehr. Die Flagellanten mit dem Veitstanz im Mittelalter, die Bauernkrieger, die Tarantella-Spieler (Spinnengift ist auch eine Droge) haben sich sogar gegen die hohe Geistlichkeit damit durchgesetzt, und gegen Behörden ist die Blechmusik eine zeitweilige Hilfe, sogar noch in den Händen der Heilsarmee, während die Klänge aus Richard Wagners Walkürenritt über Vietnam noch heute in der Luft liegen, und den verunwerteten (invalidisierten) Hubschrauberpiloten in den Knochen.

  9. Die Grenzen der Musik sind überschritten. Das Gegenteil der Musik ist nicht die Stille, sondern die Wärme, hörbar gemacht und sich Gehör verschaffend. Zur Fortpflanzung im Schall kommt durch die Wärme die verschmelzende Umpflanzung im Stoff. Schwerelosigkeit und Ungetrenntheit - - : ist das nicht auch die Sehnsucht als Sucht, gesucht in der Wunderdroge und gleichermaßen in der Chemie als Droge Musik, zu finden aber nur im Gattungsvorschein, dessen Träger seit Techno als einem ersten, aber immerhin schon wenigstens klassenfreien Ansatz zwar dem Namen nach noch Musik heißt und wohl auch noch lange so gehandelt wird, aber der Sache nach, so geht die Rede unter Freunden, insbesondere aber unter Gegnern, mit Musik nicht das Geringste mehr zu tun habe.
    Als Teil von Pathopraktik und Thermomimetik ist sie durch ihre Verbindung mit Krankheit dem Modeveralten aller sonstigen Waren grundsätzlich entzogen und ihr bislang so einmaliger wie sporadischer Bruch nicht nur mit dem System der alten Musik, bleibt dem sonst nur als Summe der Einzelkrankheiten in Erscheinung tretenden Gattungsvorschein erhalten.

 

Kommentar zu den Thesen

I

Ein Gespenst geht wieder um. Nicht der Kommunismus, wie 1848 in Europa. Vielmehr hat sich eine Unmasse Techno-Apparate, vaterlandslos der Industrie entlaufen, weltweit verbündet, unterschiedslos die jungen Leute vermassend, und der Rest sieht sich um seine Tagträume gebracht, an Schlaf und Erholung erst gar nicht mehr zu denken. Die Lärmhölle ist ja nicht erst seit gestern los, und jetzt auch noch sowas. Zur Weltübervölkerung kommt jetzt noch die Übervölkerung durch diese Höllenmaschinen des Lärms. Nicht nur Arbeitsplätze sind gefährdet. Die Nähe zu diesen neuartigen Produktionsmitteln macht, daß vor allem in Verbindung mit den zugehörigen Drogensüchten Muskeln eingeschmolzen werden, Lebern ausgetauscht werden müssen, Lust teilhaberschaftliche Habsucht wird und zum Leitmotiv, statt als Liebhabereien und Liebeleien Leidmotiv zu bleiben für Lust und Leid. Die Ärzteklasse, moderne Form der Heiligen Allianz, streut erste eindringliche Warnungen im Fernsehen aus, präsentiert aber rückhaltlos in Bild und reumütigem Selbstzeugnis schon erste Menschenopfer als Folge der Umtriebe dieser techno-kommunistischen Exzesse, denn sie kennt die Herstellungsformel aus eigener massenhafter Anwendung und daher Erfahrung im Krieg gegen die Patientenklasse mit Weckaminen oder Weichmachern, wohl wissend, daß es die Dosis ist, die den Effekt macht, und für das Fernsehen genügen erst mal niedrige Dosen an Einzelfällen. Die Heilige Allianz der europäischen Fürsten und Fabrikanten von seinerzeit hatte noch das Privateigentum zu schützen vor den Kommunisten und Habenichtsen. Die Heilige Allianz von heute, die Ärzteklasse, hat nichts mehr zu verlieren außer ihren Patienten, weil unter Techno, so geht die Rede, auch die Eigentumsbindung nicht nur an die Produktionsmittel (Apparate verstehen nichts von Eigentumsbindung) noch ganz anders schmilzt als die sprichwörtliche Butter in der Sonne.

Den bestehenden, eingefrorenen Verhältnissen spielt Techno überdeutlich ihre eigene Melodie vor und bringt sie sogar zum Tanzen, keine Frage, aber ohne Krankheit nicht zum Schmelzen. So wie Ohr, Rückenmark und Stammhirn sozusagen von Natur aus verschaltet sind, liegt Tanzen und Musik sozusagen als eine Art konditionierter Reflex schon immer in der Luft, das heißt im Atmungsvorgang nicht anders als in der Schallerscheinung außerhalb. Aber noch ursprünglicher ist diese Verschaltung alles andere als harmonisch, ausgewogen, gleichgewichtig, koordiniert und abgestimmt. Es besteht am Grund von dem allem das glatte Gegenteil dieser Abgestimmtheit von Tanz und Musik, ein Gegenteil, das, wenn es in Erscheinung tritt, unter Schwestern und Brüdern die Form einer krankhaften Abnormität annimmt, aus ärztlicher Sicht als irgendeine Sorte Krankheit diagnostiziert wird. Dies abnorme Krankhafte sieht man also immer nur als ein Hinzukommendes, nicht aber daß darin, in diesem Krankhaften also, die Zukunft auch der Musik liegt. Das ist es, worauf es ankommt.

Selbstbegattung ist ein Moment, eine Teilansicht der Krankheit, Musik und Tanz in diesem 3. Moment des Krankheitsbegriffs mitenthalten. Soll die Musik umschmelzen, statt nur den Verhältnissen ihre eigene Melodie vorzuspielen, dann muß es um ein anderes Schaltsystem gehen, nicht um ein atmungs-, muskel- und neurophysiologisches, sondern um ein ganz anderes, eines mit der Methode Dialektik, statt mit der Methode Physiologie, eines mit Asymmetrie und Dissonanz, Wagnis und Risiko, statt mit Harmonie und Koordination. Keine Musiklehre und Musikwissenschaft also, sondern Diapathik. Ein Schaltsystem innerhalb des Krankheitsbegriffs, zukunfts-, weil gattungsbezogen, vermittelt durch ein nicht-menschliches, um nicht zu sagen unmenschliches Geschlecht, Synthesizer und Stroboskope, die Übervölkerung aus Techno-Apparaten. Aber die Menschengattung im Unterschied zu den Tier- und Pflanzengattungen noch im Ausstand, statt im Aufstand, steht noch aus.

Analog der dialektischen Tetrade aus Sein, Nichtsein, Werden, Dasein, sind im Ansatz gegen die Rückenmarkskonditionierungsmusik aus den nach der Befruchtung* umgebungsrelativ erworbenen Schaltkreisen der physiologischen Sorte, die Sachverhalte zu verbinden und zwar innerhalb der Diapathik: Musik, Gegensatz Wärme, Gegensatz des Gegensatzes Umschmelzung, Resultat durch quantitativen Umschlag in Utopathie als Gattung, gebündelt durch das pathopraktische Agens MFE** (meint hier: pulsierend, impulsierend, verebbend, wiederanflutend, ohne Rücksicht auf Verluste; aber nicht durch "Parteiarbeit", "Stellvertreterpolitik" und dergleichen).

*mehr darüber bei Bruhn & Co, "Musikpsychologie"

** Multifokaler Expansionismus, vgl.: SPK - Aus der Krankheit eine Waffe machen; Krankheit die Ganzheit mit Zukunft

Dabei ist mit dem Negativen der Musik, der krankheitsrelativen Wärme also anzufangen, dem Stoffwechsel im Fieber, dem Fieber im Stoffwechsel, einem veränderten, alterierten Stoffwechsel also und nicht mit dem Stoffwechsel, den die Physiologie als Grundumsatz und darüberhinaus bei Leistung über den Sauerstoffverbrauch und die Kohlensäureproduktion in Kalorien, Joule und Kilokalorien mißt, mit einer Fehlerquelle von so um die 25% übrigens. Aber genau oder exakt ist gleichgültig, wenn außer Verhältnis zur Sache und Musik im Grundsätzlichen, das heißt in dem, worauf Musik wirklich gründet, seinerseits und als solches unerreichbar für Medizin und Fachphilosophie.

Zur hörbaren Musik samt Lärm und Geräusch sind Krankheit und Wärme zunächst außer Verhältnis. Es gibt da erst mal und auch dann, nämlich nach der Musik, nach Lärm und Geräusch, nur gestaltlose Verkörperung, Verkörperung in dauernder Umschmelzung und Wiederverkörperung. Und Wärmestrahlung als solche, wie übrigens andere Strahlung auch, bringt keinen Piepston hervor, wirkt also, im Unterschied zu allem, was zu Musik gehört, im Vakuum, im luftleeren Raum also, ein wärmendes Nichts, das es tatsächlich gibt, ein Paradoxon mehr an Nichts, das es außer konkret, z.B. als Umschmelzung, nur abstrakt gibt und ein Nichts ist durch die Abstraktion ein destruktives Nichts und weiter nichts als Nichts, folglich etwas Künstliches, Artefizielles, Ärztliches, von dem man wissen kann, daß es künstlich ist, statt auch nur real. In der Verbindung zwischen Wärme und Krankheit ist die Thermomimetik der Ausdruck für diesen Gegensatz zur leeren Abstraktion. Musik in jeder Form hat mit Thermomimetik zu tun, aber Thermomimetik ist sowohl noch nicht, als auch nicht mehr Musik.

In aller überlieferten Musik ist Thermomimetik die Musik in der Musik, die Trägerfrequenz sozusagen. Diese Musik ist weder unbewußt, noch unterbewußt, sondern ganz einfach ungewußt, so lange und sofern diapathisch unentwickelt. Das Wissen darum beinhaltet keine Bewußtseinsveränderung, keine Bewußtseinserweiterung. Es wird ganz im Gegenteil auf den Punkt gebracht, als verstärkendes und bestärkendes Begleitwissen für tatsächlich stattfindende Vorgänge revolutionärer Umschmelzung in Anspruch genommen zu werden. Wirkwissendes Begleitwissen, Ideologie als stoffumschmelzende Krankheitskraft, richtunggebendes Herstellungswissen im Gegensatz zum Bildungswissen, vor allem aber im Gegensatz zum Einbildungsbewußtsein samt Suggestion und Hypnose im üblichen, d.h. nicht-thermomimetischen Gebrauch.

Der zur üblichen Musik gehörige physiologische Apparat ist grundsätzlich verfügbar, handhabbar, manipulierbar, wie mittelbar auch immer*.

*mehr darüber bei Liedtke

Die Stammhirn-Rückenmark-Schaltkreise für die mit jedem Musikhören verbundenen motorischen Begleiteffekte, die zugehörigen Schaltsysteme des vegetativen Nervensystems untrennbar verbunden damit, und die daraus ableitbaren oft beschriebenen Reaktionen des Sympathikus mit Haare aufrichten, Frösteln und Prickeln, und heiß und kalt den Rücken rauf und runter (vegetative Ganglien in strickleiterförmiger Anordnung das ganze Rückenmark entlang die Grundlage), Kaltwerden der Haut durch Verlagerung der Blutzirkulation mehr ins Körperinnere, Steigerung der Pulsfrequenz und der Atmungsaktivität, samt Reaktionen des Parasympathikus wie Drehschwindel, Seekrankheit, Magenknurren bis Durchfall. Es heißt seit alters her, daß der Musikhörende nicht nur ein Instrument hat, den Kehlkopf zum Beispiel als Flöte, den Brustkorb als Harfe und die Lungenfasern als Saiten dieser Harfe, sondern es heißt deshalb und folglich auch, den Körper als Werkzeug, als Instrument seinerseits zu betrachten, auf dem folglich irgendwer spielt, und zwar in den Proportionen ganzer Zahlen, analog dem Monochord. Künstlich beatmet sozusagen, sinkt die Hirn- und Rückenmarksflüssigkeit beim Ausatmen wie in einem Sack der eigenen Schwere folgend in die Tiefe. Venengeflechte, Hirn und Nerven erhalten dabei und dadurch mitgeteilte Anstöße durch die Nähe zu den umgebenden Knochenhüllen. Bei der Einatmung dann die ansteigende Nervenflüssigkeit, hochsteigend, ebenfalls mit der skizzierten Impulsierung verbunden, ein ständiges Rhythmisiert- und Tonisiertsein, einstimmbar und abstimmbar auf Musik und Geräusche der Außenwelt. Ein stimmiger Apparat, Werkzeug, Instrument im Wechselverhältnis, etwas Organisiertes, stimmig zu Machendes, Abgestimmtes, ein Musikorganismus.

Ganz anders der Krankheitszusammenhang, Grundlage, Hülle, Grenze dieses Musikorganismus, der Krankheitszusammenhang nämlich, ungleichgewichtig, asymmetrisch, außer Maß und Form, formlose Verkörperung* in ständiger Umschmelzung, gestaltloser Körper, die musiklose Thermomimetik vor, nach (zeitlich und prinzipiell) und in der Musik, sie umhüllend, deren Grenze, aus der sie kommt und in der sie erstirbt als Ton, Klang, Geräusch.

*mehr darüber bei R.St. ad Ästhetik

Die Umschmelzung, das 3. Moment der Musiktetrade, wie oben skizziert, ist nicht verfügbar, nicht fixierbar, so wenig wie das Werden als 3. Moment der Seinstetrade. Es gibt da keine Werkzeuge, keine Organe, keine Organismik, dafür aber Zusammenhang, Krankheitszusammenhang, Wärmezusammenhang. Wer nach der Trägerfrequenz sucht, der die Musik ihre raumübergreifenden, zeitüberdauernden Effekte verdankt, ihre unglücksauslösenden sowohl, als auch ihre wiederherstellenden Wirkungen, ihre Funktion bei der Schwerkraftüberwindung riesiger, anders nicht transportabler Steinblöcke, sei es im Himalaya-Tibet oder beim Pyramidenbau, wer nach Gedankenübertragung und Telekinese fragt, ist zunächst und überhaupt auf das verwiesen, was hier als Krankheitszusammenhang und Thermomimetik am Beispiel Musiktetrade und prinzipieller Unverfügbarkeit und Unfixierbarkeit der Umschmelzung und doppelten Negation aus Wärme eingeführt ist.

Ein anderer Ausdruck für den Sachverhalt Verschmelzung ist sowohl bekannt aus dem dialektischen Sachverhalt fusionierende Gruppe (Sartre) als auch aus der Physik, z.B. Momentaufnahmen fusionieren zum Kinofilm, Frequenzen durch erhöhte Geschwindigkeit zum hörbaren Ton, fließende Übergänge und Fließgleichgewichte auch bei Parteifusionierungen im politischen Alltag, Fusion von Konzernen und Gesellschaften in Wirtschaft und Handel.

Infrarotstrahlung, zu langwellig und langsam, um noch sicht- und hörbar zu sein, kann Gewebe durchwärmen (Rotlichtkasten), aber Ultraschall am anderen Ende des Spektrums, ebenfalls unhörbar, kann Gewebe verkochen, unterliegt dabei starker Bremsung und dringt wenig tief ein. Was verkocht ist, ist kaputt, zerstört, schwer und träge gemacht bis zum entstofflichten Auseinanderbersten, nicht aber umgeschmolzen. Zu diesem Teil nicht mehr so ganz moderner Megamusik gehören Laserkanonen, Kobaltbomben, ultrakurzwellige Diathermiegeräte, kurz: auch dieser Teil Musik ist in einem Ausdruck der Ironie Musiktherapie, und zwar im Unterschied zur gewöhnlichen Musiktherapie angesiedelt auf einer unhörbar hohen und heimtückischen Trägerfrequenz. Es wird übrigens gemutmaßt, daß schon dem Rattenfänger von Hameln das Geheimnis bekannt gewesen sei, die Wirkung seiner Flötentöne mit einer Portion Ultraschall aufzubessern, die sich in der Wirkung auf Ratten, Kinder und sogar auf die erwachsene Tochter des Bürgermeisters unwiderstehlich gesundheitsverheißend angefühlt haben muß (totgesund, nicht krank, im Effekt).

Bei den Produkten aus Synthesizern und Stroboskopen des Techno und Industrial handelt es sich um die roten, extrem langwelligen Anteile des Infraschall und die vertieften Verfinsterungseffekte im Kontrast zum Lichtblitz. Die beigemischten hohen und schrillen Töne wären als Ultraschall unhörbar und ohne die zugehörige Trägerfrequenz im Ultraschall- bzw. Ultraviolett-Bereich ein unverhältnismäßiger Aufwand an Verschwendung, und ohne das tiefe Blubbern, Wummern, das lärmende Rascheln, Rattern und zischende Klappern pure Verschwendung.

Schon wenige Generatoren und Synthesizer mit ihrem tiefen Dröhnen ersetzen in der Wirkung ganze Wagner- und Neutöner-Orchester mit ihren 80 bis 130 Spielleuten zwecks instrumentaler Mehrfachbesetzung. Als Musik des Bauchs, als umwerfende Droge, erlitten dreiviertels Blinde wie Friedrich Nietzsche, fernab von aller ihnen anerzogenen musikalischen Hellhörigkeit das lärmende Dröhnen der Wagner-Musik, und die lärmenden Schlußtakte des Ravelschen Bolero bei vollem Orchester über dem Basso Ostinato verursachten Kreislaufzusammenbrüche und schockartige Ohnmachten nicht nur bei Damen, und zumindest bei den Erstaufführungen waren sogar Notarzt und Polizei rat- und machtlos dagegen. Im Blick auf dergleichen Folgen liegt der Eindruck nicht fern, daß Krankheit und Thermomimetik in dieser Form sich schon lange vor Techno und Industrial angeschickt haben, die überlieferte Musik lärmend, wärmend, drogenhaft zu unterlaufen, wo nicht gar, so okkulten und daher so dunklen wie unsicheren Quellen zufolge*, das Wassermannzeitalter einzuleiten im Aufschwung aus den nie gehörten tiefen ultrasonoren Trägerfrequenzen; und der Absturz in Ohnmächte und Herzkaspereien folgte auf dem Fuß.

*Kut Humi bei Scott; Godwin u.a.

Aber auf Einzelfälle und Vorübergehendes in Sachen Krankheit und Krankheiten, auch wenn von Massenepidemien die Rede ist, soll es uns hier und desgleichen erst recht bei Techno zum allerwenigsten ankommen. Die modernen Technomaschinen sind eben nun mal keine Wagners und Ravels mehr, auch wenn das Publikum im Guten oder im Bösen dies gern gelegentlich anders hätte, und dann müssen eben Disk-Jockeys und Stars für projektive Sehnsüchte als Ersatz herhalten. Es geht um die annäherungsweise Unterschiedslosigkeit und Einheit in der Vielfalt, hervorgebracht von industriellen Lärmmaschinen, die hörbare und unhörbare Tiefen und Untiefen als Surren, Schwirren, Blubbern, Krachen, Dröhnen, Glissando und Heulen absondern, ohne Anspruch auf Ausdruck und Gefühl, wie beim Blues und sogar noch beim Rock, in einer Geschwindigkeit der Schläge und Abfolgen, ihrerseits mit dem dumpfen Dröhnen bis zur Ununterscheidbarkeit verschmelzend, und um Schalt- und Drehknöpfe für heulende, kreischende, an- und abschwellende Einschmelzung von Geschwindigkeit und Tiefe in fusionierende Unterschiedslosigkeit des fortbestehend Uneinheitlichen, Asymmetrischen, Ungleichgewichtigen und Unabgestimmten; und auch Wagner und Ravel konnten das schon, von Singsang und Wohlklang als eher falschgemünztem Beiwerk mal abgesehen. Aufwärmen (hot up) und Abkühlen (chill out) ist die Hauptbeschäftigung der Publikumsgemeinschaft auf der Techno-Parade, wie man erfährt. Und Abkühlen und Aufwärmen bestimmen auch den Pausentakt in orchestralen Großkonzerten einschließlich Bayreuth mit kaltem Buffet und heißen Getränken. Was früher Musik war, fusioniert zum Wärmestoffwechsel, dem Bauch des Stoffwechsels und die zentralnervöse und vegetative Bremsfunktion in Richtung Abkühlung, Temperierung und Dämpfung, ihrerseits durchwärmt, spielt sozusagen senza sordini den paranormalen Ausnahmezustand mit.

Krankheit ist ja heute die Norm, auch nach Radio Dreyeckland. Und es gehört schon eine totalitär herrschende Ärzteklasse dazu, wäre dem hinzuzufügen, damit innerhalb dieser Norm überhaupt noch abnormifiziert werden kann.

Paranormale Eindrücke und Auswirkungen gehören zum Umschmelzungsvorgang außerhalb der Grenzen der gewöhnlichen Musik. Die Körperformen sind nicht nur nach dem Bild der Wärme strukturiert, die sie widerstandslos und diskontinuierlich durchdringt, sondern die Wärme nimmt ihrerseits den Abdruck der Körper in sich auf, und im Schein der abgestrahlten, freien Wärme sind diese Muster enthalten; und wo Körper sind, werden sie zum daran und darin erscheinenden Stoff, indifferent aber als Schein und Strahlung. Infraschall und Infrarot hat Wärmequalität, Träger der paranormalen Eindrücke und Auswirkungen, von Wärme getragen und aufgenommen, wachsen diese Eindrücke an Intensität im zeitlichen und räumlichen Abstand paradoxerweise an, paradoxerweise, weil im Gegensatz zu anderen physikalischen Impulsen und Effekten, deren Wirkung mit dem Quadrat des (zeitlichen und räumlichen) Abstands abnimmt (Rhine in den '20ern über Gedankenübertragungs-Experimente). Mit Wärme verschmolzen überdauern die Muster getrennt voneinander. Im Wärmesog der außermusikalischen Thermomimetik, früher durch Massenorchester, heute durch Techno-Apparate als induzierte Atmosphäre nur indirekt erfahrbar aufscheinend, suchen und finden sie im Durchgang durch die thermomimetisch aktivierten Körper ihre gruppen- und massenverschmelzenden und -umschmelzenden Verkörperungen*.

*Iatrocidäre Stoffe, hochgeschüttelt in ganz verschiedenen Pathenzierungen sind mischbar ohne neue Verbindungen einzugehen. Schütteln unverzichtbar, weil Gelegenheitsverursachung  der (anders hier nicht verfügbaren) Thermomimetik. Gespielte Musikstücke liegen kilometerweit unvermischt-gemischt mit allem Möglichen von sonstwoher in der Wärmeatmosphäre, dauern an, kommen da und dorthin wieder, je nach Disposition der Empfänger.

Sie gehört in den Krankheits- und Wärmezusammenhang, diese ganze Paranormalität, auch wenn sie von der Musikseite her manipuliert werden kann. Isolationsfolterexperimente -: dabei wird das physiologisch-vegetative Vormuster, das Körperinstrument, das Werkzeug Körper (s.o.), das Werkzeug des Ausübens und Hörens überlieferter Musik fremdbesetzt, wenn keine Fähigkeit und kein Wissen um thermomimetische Gegensteuerung da ist, gewußt und entwickelt ist, und wen es trifft, ist immer schon instrumentalisiertes Werkzeug gewesen, jetzt für noch ganz anders musikogene Halluzinationen tatsächlich (nicht die aus der Psychiatrie bekannten) statt pro Krankheit, nämlich für krankheitsbezogene Entwicklung oder Weiterentwicklung des Paranormalen bei Gelegenheit Isolationsfolter. Mythologie hingegen, schlechte, auch weil wissenschaftliche Mythologie, sind unterstellte Infraschall-Synthetisizer in Gefängnissen, angeblich die Eigenkörpergeräusche abtötend, mit der Folge somit apparativer Schädigung, die als so genannter Selbstmord tödlich werden könnte. Hier wird Industrial und Techno, kurz: der Synthesizer, ein Apparat, mit dem Apparat Gefängnis usw. verwechselt, für dessen Fortbestehen einzig die Ärzteklasse verantwortlich ist.

Wie war doch gleich nochmal der soeben skizzierte Gedankengang? Es fing mit Paranormalität an, endete mit Schuldzuweisung, und über folterinduzierte psychotische Zusammenbrüche ging es dabei. Thermomimetik ist unser Ausdruck für den nötigen Stoffwechselaufwand, diese tatsächlich vorkommenden Sachverhalte zu verbinden. Ungewußte unterschätzte, aber im Selbstversuch spürbare Wärme liegt zwischen dieser Sorte Denken, mit Aufweichung und sogar mit Trübung des üblichen Bewußtseins, und sei dies Bewußtsein durch Samadhi-Tank-Erfahrung aufgeweicht, Paranormalitätsforschungsergebnisse und Moralethologien erweitert bis sonstwohin. Statt dessen sind hier 3 Sachverhalte zur Fusionierung, zur Verschmelzung gebracht und formlos auf das Zunächst-Krankheit-und-Revolution zurückgeführt (1. These), umgepflanzt in den "Rohstoff" Wärme, um daraus über den multifokalen Expansionismus (MFE) die Menschengattung hervorwachsen zu machen. Wunder sind dabei durchaus in Anspruch zu nehmen, Wunder wie Musik, Musik zwecks Thermomimetik, nicht jede Sorte Musik demnach. Die pathopraktisch-thermomimetische Wirkung, neurevolutionäre Wirkung in der Tendenz, ist das Unterscheidungsmerkmal. Musikwissenschaftliches, Hörgewohnheiten und Dressiereffekte des vor allem guten Geschmacks haben ausgedient.

Kam es bei dem vorigen Denkbeispiel auf die Wärme an, auf die Wärme, freigesetzt bei der willkürlichen, frei fantastischen Verbindung von Worten und Gedanken - ja, Denken im Ausnahmezustand macht heiß und der Bauch des Stoffwechsels ist noch im Kopf die Wärme! -, so wird auch bei der hier in Betracht zu ziehenden Musik in erster Linie nach zu überbrückenden Räumen zu fragen sein, nach Zwischenräumen, nach Distanzen und Abständen, die wunderartige, paranormale Wirkungen erforderlich machen und bedingen. Diese Zwischenräume heißen in der Musik zum Beispiel Intervall mit Bezug zum Ton, Synkope mit Bezug zum Rhythmus, Tritonus mit Bezug zur Harmonie, Engführung mit Bezug zum Kontrapunkt und noch vieles andere mehr. Wie beim Sprechen, so ist auch bei diesen Zwischenräumen viel Aufmerksamkeit nötig, will man nicht abstürzen, will man nicht den Ton verfehlen. Da zieht Kälte ein, wie beim Achten auf das gesprochene oder geschriebene Wort. Eine echt interessante Kanzel-Predigt (Kirche, Uni, Parlament) wird niesend genossen, Gelage, Medikamente- und Drogenverdauungszeremonien sind eher Schwitzbäder.

Alle Erfindungen in der überlieferten Musik folgen dem sprachlichen Kontext, dem Zusammenhang der überlieferten Sprache, Sprache geht den Kompositionen voraus und begleitet sie in der Ausübung und im Zuhören, und sei es als unwahrgenommenes Selbstgespräch, sprachgebundene Programmusik also, Sprachstrukturen das Programm wie auch immer, sprachlich Vorstrukturiertes der Rohstoff, näher dem Gefrierpunkt, aber thermomimetischer Umschmelzbarkeit nicht grundsätzlich entzogen, denn viel Restwärme ist sogar noch in den Intervallen, als solche nie ganz rein. Wie bei der Wärme geht nichts ohne Stoff, keine Paranormalität, kein Wunder, keine Musik. Aber die Gestalt- und Strukturlosigkeit braucht die Wärme, auch und gerade in der Musik.

Es liegt an der zugrundeliegenden Sprachstruktur, daß gerade Unkundige in Bezug auf die überlieferte Musik immer wieder meinen, sie wüßten schon, was kommt, wenn sie kurz hineingehört haben. Ganz im Gegenteil bei dem, was nach Zeit und Mode Techno heißt, Metal, Rock, Industrial, Jazz und Blues in den entsprechenden Abwandlungen: da fühlen sie sich vor keinerlei Überraschung sicher, paradoxerweise gerade bei diesem lärmenden Einerlei, bei dieser annäherungsweise Nullmusik. Zuzugebendermaßen folgt alle herkömmliche Musik, sei es grammatikalischen, sei es anderen Dezimal- und Zahlensystemen, beispielsweise vom 1/4-Ton der alten Inder bis zur Zwölftonmusik; und gibt einer vor, die Musik des Sirius zu liefern (Stockhausen), dann liegen auch diesem Anspruch sprachliche oder vorsprachliche Vorgaben zu Grund, kurz: ein abgekartetes, abgesprochenes Spiel, diese überlieferte Musik, und insofern der im übrigen sicher unzutreffende Eindruck des Musikunkundigen , sein déja-entendu (psychopathologisches Phänomen aus der Iktologie, übrigens, und insofern krankheitsnahe) alles andere als unbegründet.

Ganz anders die Lärm- und Beatmaschinen: auch Musikkundige sind hier explosiven, unberechenbaren Reaktionen ihres Körperinneren ausgesetzt, man weiß nicht wann und nicht woher, und mit den zugehörigen Musikquellen, sei es Band, DJ, sei es Generator, gibt es nichts abzusprechen, nichts abzukarten. Ihrerseits Ergebnis von Absprachen und abgekarteten Spielen, sind Fragen an sie zwar möglich, aber ihre Antworten so unberechenbar wie außerhalb jeder Wahrnehmungsschwelle, zumal dort, wo Techno gerade spielt, besser: stattfindet, Platz greift trotz Oropax*, Hörsturz und tiefer Querschnittslähmung, bzw. Spinalanaesthesie.

*Lehrerin Jenal in "Spiegel Spezial"

Die übliche Musik schließt also an Sprachgewohnheiten an. Sogar Musikunkundige fühlen dieses Angeschlossensein bis zum Überdruß gelegentlich, wobei ihr Unwille meist schon vor der vor allem klassischen Musik Halt macht. Und die Sprache, als ungewußte Grundlage der Ablehnung, weit entfernt davon, mit der Musik in Verbindung gebracht zu werden, darf als Ort der Dichtung, aber auch des Tratsches beispielsweise beanspruchen, dem Bedürfnis nach Abwechslung, Überraschung und Sensation um so mehr entgegenzukommen, als die Unkunde in Sachen Musik davor schützt, die zumal der überlieferten klassischen Musik konsubstantielle Überraschungsvielfalt der Ausdrucksmöglichkeiten auch nur wahrzunehmen. Klassische Musik mache sie krank, sagen heute viele. Und ihnen ist unbesehen zu glauben, auch wenn Berichte, denen zufolge beispielsweise Großkaufhäuser unliebsame Kundschaft durch klassische Musik vertreiben und fernhalten, übertrieben erscheinen. Übertrieben war es sicher schon im Altertum, menschliche und sonstige Organismen als gefrorene Musik und Sprache, als Erzählung, als Märchen, als Mythos aufzufassen, weil beispielsweise das Verhältnis mancher Knochen zueinander und mancher Funktionen, wie Atmung und Pulsschlag, ganzzahlige Beträge ergab, wie in den Maßverhältnissen der einzelnen Tonintervalle, der einzelnen Silbenlängen, Hebungen und Senkungen in Sprache und Dichtung. Diese Rechnung ist bekanntlich nicht aufgegangen, und die genetische Umwandlung der Organismen anhand von Zahlentabellen und Computersystemen, kurz: von Sprache, wird genausowenig aufgehen, weil unter dem Bruchstrich aller Musik und Nicht-Musik Einzelkrankheit als Nenner bleibt, solange nicht Gattung zählt. Und unter dem Bruchstrich aller Zahlen zusammenhanglose Erzählungen, es sei denn wärmestofflich umgepflanzt, um nicht zu sagen transplantiert, nämlich zur Platzmusik, zu der man nur deshalb geht, weil es die geplatzte Krankheit ist, der auf diesen vormals verrechneten, jetzt geplatzten Plätzen aufgespielt wird.

Mehr als in der hergebrachten Musik liegt bei dem heute Techno und Industrial Genannten Krankheit in der Luft. Die Freude am Unerwarteten, Überraschenden, plötzlich aus der Zukunft in die Gegenwart Hereinbrechenden wird aber nicht der Krankheit zugeschrieben, die wie alle Leydenheit revolutionäre Erfüllung will (Jakob Böhme), sondern Effekt um Effekt den eingeworfenen oder durch Überanstrengung selbst produzierten Drogen über einen geregelten Stoffwechsel hinweg. Maß und Ziel des angestrebten Zustands, so heißt es, sei das Wiedererleben des massenhaften Verschmolzenseins zu einer geheimnisvollen Einheit (unio mystica), wie bekannt aus dem insofern wohl eher heidnisch-altertümlichen, als heidnisch-katholischen Mittelalter*. Die Generatoren, Kraftorte und Kraftfelder waren andere und funktionierten anders. Teils verlassene und verrufene Plätze aus der keltischen Steinzeit, teils mit inzwischen christlichen oder auch mohammedanischen Einsiedeleien und Kirchen darüber, auch als Friedhöfe genutzt, Speicher planetarischer Energien im Wechsel der Jahreszeiten, lieferten sie die Kraft zum Sterben und zum Leben und zum Sterben dafür, wie beispielsweise Jerusalem den Kreuzzüglern; und es war überlieferte Musik aus Klostergesängen und auf Instrumenten des Altertums (Ambrosius, 4. Jhdt.) und sogar den ersten Orgeln um 800, die Europa zur Gemeinsamkeit der sogenannten Heiligen Kriege verband (Scott). Sterbekräfte lagen in der Luft, nicht Krankheitskräfte. Musizieren war Konzentrieren und konzentrierendes Sammeln und Versammeln gegen die Wechselfälle und Sorgen und Nöte, aufsteigend aus einem so verknappten wie lebensfrohen Stoffwechsel, ohne die wenigstens zeitweilige Fesselung und Aktivierung bewußten Denkens an vor allem die geistliche Musik jedem auf Mäßigkeit und Dauer gestellten anderen Interesse feind. Dem gegenüber ist der Generatorenpark erkennbar weder ein Kraftort, noch eine Kultstätte obendrüber, und von Musik in diesem oder in irgend einem anderen Sinn ist ebenfalls nicht mehr die Rede bei Techno und Industrial. Niemand sucht eine Rave Parade auf, wie ein Elefant seinen Sterbeplatz, sondern bedauert höchstens, eine Veranstaltung wegen Krankheit ausfallen lassen zu müssen. Wenn zu wählen ist zwischen einem (kommunistischen) Gattungsfest in Form einer rave-olutionären Party und einer aktuellen Erkrankung, dann wird also der Krankheit immerhin schon mal der Vorzug gegeben, das heißt zu Hause und vielleicht sogar im Bett geblieben, und mit und ohne Video-Clips und Techno dem liegenden Stand geopfert, dem liegenden Stand, den Bernhard von Clairvaux schon in den allerersten Anfängen des Mittelalters bevorzugt ernst genommen, und vor allen anderen Ständen verherrlicht hat, den liegenden Stand der Kranken und Siechen, die das Sterben überwanden, solange sie krank und nicht tot waren, dem Tod ganz anders trotzten, als die Templer und Kreuzritter, die ihn in der Folge im Heiligen Land suchten und fanden, während der liegende Stand sonst nichts zu tun hatte, als sein Sterben und Aussterben zu überwinden, kraft seiner Krankheit und gestützt auf sonst nichts. Ausgestorben mit Templern und Kreuzrittern ist das gegen die Ungläubigen mit Pfeifen und Trompeten zusammengetrommelte vereinte Europa von einst, vereint durch die aus den Händen dieser Ungläubigen übernommene Musik obendrein auch noch. Nicht ausgestorben, und ganz im Gegenteil stark angewachsen ist der liegende Stand, der demnach kraft Krankheit heilige und unheilige Kriege überwindet, heilige und unheilige Allianzen, und sogar deren Begleit- und Herstellungsmusik, so oder anders der aus Krankheit herzustellenden, alle Strukturen und Verhältnisse umschmelzenden Gattung folgend, im Übermaß des Lärms und im Unmaß der Wärme, die Erde selbst Zentralorgan kosmisch-sozialrevolutionärer Umwälzung, dauernd auf höchsten Touren kosmisch-sozialrevolutionärer Umwälzung, wenn auch unmerklich und ohne einen Bernhard von Clairvaux unbeachtlich, wie der liegende Stand, und umweltkrank bis zum Geht-nicht-mehr-rückgängig-zu-machen, die Erde selbst in unbegreiflicher Schnelle ihrer Drehmomente dem darniederliegenden Stand zugesellt, ihrerseits.

*Eine Glaubens- oder sonstige Einheit erfüllt nie die Erfordernisse einer utopathischen Gattung. Keine dieser Kulturen hat je überdauert. Sie waren nicht wirklich verkörperbar, zu erdfern, Bedingungen, die nur als Krankheit vorgegeben sind.

Zum Sterben gehört viel Kraft, aber mehr Kraft noch gehört zum Kränken. Nicht das Hängen am Leben zu überwinden, ist noch zu lernen, um besser sterben zu können, so wie im Mittelalter, das Denken durch Gesang und einfache Musiktonfolgen gefesselt, das Bewußtsein von Gott erfüllt, die Innereien zum stillen Vorsichhinvegetieren gebracht, zur Abtötung des Fleisches auch. Heute sind die bestehenden Systeme, Strukturen, Verhältnisse, Beziehungen und Abhängigkeiten von gesellschaftlichen   und kosmischen Einflüssen zu überwinden. Das Hauptinteresse kann nicht mehr, wie noch im Mittelalter, darin liegen, als Einzelperson ein möglichst gutes Ende zu nehmen. Vielmehr sind die äußeren Verhältnisse durch diejenigen zu ändern, die durch ihre pro-Krankheit-Entscheidung auf ihre besondere Weise gegen diese Verhältnisse tätig sind, und sich, auch im Gegensatz zu allen anderen, zu diesem Zweck zusammengeschlossen haben. Sie schaffen all das ab, was andere lediglich für ihr Schicksal halten, politisch bedingt, angeboren halten, für genetisch verankert und astrologisch bestimmt, schmelzen das Gesamt dieser Einflüsse, Schicksal genannt, um, unbekümmert um ihre eigenen Krankheiten und Krankheitsverläufe, kränken gemeinsam, wen und was immer zu kränken ist, das heißt bevorzugt die heute alles beherrschende und durchherrschende Ärzteklasse, wobei deren Schwächung, angefangen beim Vertrauensverlust, Maßstab ist für Zustände und Gelegenheiten, in denen die Gattung Mensch zum ersten Mal einen Fuß auf die Erde bekommt, wie sporadisch und begrenzt auch immer. Ausschließlich in der Zukunft sind als Menschengattung die Maßstäbe des zu Bewirkenden zu suchen und zu finden, und die Gegenwart mit der Summe an Einzelkrankheit Mensch ist der Beweis der Verwirklichung des Gattungshaften und seiner unausweichlichen Durchsetzung, so oder so. Kein Mittelalter, keine noch so klassische, das heißt vorbildliche Vergangenheit, und sei es vorbildlich im Finsteren, ist als Maßstab des zu Erwirkenden auch nur noch in Betracht zu ziehen.

Anders als im Mittelalter liegt Krankheit nicht nur in der Luft, sondern auch in der Erde, das heißt im Lehm, aus dem laut urzeitlicher Überlieferung der Körper gemacht ist, aus Lehm, aus Ton. Auch Synthesizer, Stroboskope, Generatoren, zusammengesetzt aus der Erde entnommenem, synthetisiertem und analysiertem Stoff oder sei es vollsynthetisch, soweit schon möglich, betrieben durch Atomstrom aus Uranstäben und dergleichen, das heißt der Erde entnommenen Metallen, sind Ton, nämlich in Volt gemessene Spannung, enthalten in den tausenden Watt der Verstärkerboxen, und Druckwellen wie beim Erdbeben, das Erdbeben keine Musik als solche, wie alle wissen, sind hier das Wesentliche an Ton und Klang, unstetige Druckwellen also, meßbar in Dezibel als Schalldruck, beherrscht und kontrolliert durch die Ärzteklasse, Abteilung Hals-Nasen-Ohren. Unstete Druckwellen in der Erde können durch Kompression Erdgase aufwärmen und sogar zur Explosion bringen, Grubenunglücke zum Beispiel, und sogar die Effekte im Bermuda-Dreieck, vormals den alten Atlantiern zugeschrieben, Schiffe und Flugzeuge verspurlosend, und die zugehörige Besatzung bewußtseinstrübend, werden neuerdings auch so erklärt ("Spiegel", Juli '95); und durch Komprimieren erwärmte Luft im Zylinder der meisten Automotoren bringt das Benzin zur Explosion und hält den Motor am Laufen.

Worauf es ankommt, bei Techno und Industrial, ist die Tatsache, daß Druckwellen ganz unmittelbar und direkt erwärmend sind. Mit Gasen, Atmosphäre, Luft hat das erst mal gar nichts zu tun, folglich nichts mit Schalldruck, nichts mit Dezibel, und keine Ärzteklasse geht dies der Sache nach auch nur das Geringste an.

Es ist nicht mehr der Ton, der die Musik macht, sondern der Stoff: einfach kurzgeschlossen, und zwar über die Druckwelle, sind die Generator- und Körperstoffe. Es geht nicht um Mitteilung, wie innerhalb der Musikästhetik, wobei Distanzen, meßbar in Raum und Zeit, übersprungen, überbrückt werden, sondern es geht um Stofferwärmung inkompressibler Körpersubstanz; die ~ 80% Flüssigkeit unter den Bedingungen äußersten, physischen Drucks aus künstlichen, aber den iatrokapitalistischen Verhältnissen maßstabsgerechten Generatoren. Was Techno genannt wird, hat der Sache nach nichts zu tun mit Ohren oder sonstigen Sinnesorganen, guten oder lärmertaubten. Was Techno genannt wird, hat nichts mit Sinnlichkeit zu tun, nichts mit Mitteilung, gesetzt durch die vorgegebenen Sinnesorgane in ihrer Distanz zum Stoff, sondern mit Erweckung des Stoffs durch sich selbst, unter dem Krankheitsdruck der Stoffentfremdung (1. Moment des Krankheitsbegriffs), der Wärmestoff seinerseits Stoff als Blut im Stoff, ausrinnend und gerinnend; die Wiederverstofflichung unverfügbare, einem wie die Krankheit widerfahrende Umschmelzung, kurz: Stoffwechselvorgang und Neurevolution kraft Krankheit im Spannungs- und Maßverhältnis zum Noch-Nicht des Gattungsausstands, zur Formierung der Patientenklasse, dem Aufstand des liegenden Stands.

Mit Techno werden Zustände der Trance und der Ekstase angestrebt, also ein Jenseits (trans), ein Außer-sich-sein, raus aus dem Stillstand, der Stase. Techno, Tanz und XTC (Ecstasy) sind Mittel zu diesem Zweck. Alle drei wirken über die Wärme: Techno wirkt über die Wärmewirkungen der Baßbeat-Druckwellen, welche die inkompressible Körpermateriatur durch Druck zur Selbsterwärmung erwecken, Dauertanzen bringt den Stoffwechsel auf Trab und steigert die Betriebswärme (vgl. Derwische der islamischen Mystik), und auch XTC-speed dynamisiert die Stoffauflösung und Wärmefreisetzung Richtung Fieber, das die Droge, wie jeden anderen Fremdstoff (Entfremdungsstoff) auch, krankheitskräftig abwehrt und umwandelt (Beispiel Nikotin und vegetativ-adrenerge oder cholinerge Gegenreaktion). Dies alles, die gesammelten Wärmewirkungen führen zum Auftrieb, Beispiel Heißluftballon (hier sogar minus Luft), man hebt ab, ist weggetreten. Ganz von selbst geschieht dies bei jedem Fieber, das Bewußtsein und Körper aufweicht. Auch jedes Einschlafen ist Trance, ein Übergang in ein Jenseits (des Wachbewußtseins), und wie leicht ist man weg, schläft man ein, wenn es entsprechend warm ist.

Ohne die Fortschritte im Iatrokapitalismus in all seinen geschichtlichen Vorformen gäbe es weder die überlieferte Musik, noch die Voraussetzungen zu all dem was, sogar mit dem Anspruch revolutionär zu sein, als Rockmusik begonnen hat, und erst in Techno tatsächlich Sache des undergrounds, des Untergrunds geworden ist, nämlich Erdball, längst nicht mehr nur Ballet, Manöverball oder dergleichen. Erde wie Ton und Lehm und Stoff, samt Körperstoff, Stoff unseres Körpers mit 80% Wasser und Säfte, und der Rest noch festeres Zubehör, aber nur der kompressible Teil, die Luft, anteilig zuständig für die überlieferte Musik, ist, obwohl dem Iakapismus zu verdanken, wenn gut, wie manche behaupten, schlecht nach ärztlich-gesteuertem Gutachten des bei weitem überwiegenden Publikumsteils, der Sache nach nur dann überhaupt in Verbindung damit, wenn von Neurevolution kraft Krankheit destruktiv, das heißt künstlich-ärztlich abstrahiert wird. Der Iakapismus hat keine guten Seiten, auch das allerbeste Techno ändert daran nichts. Das Schlechte aber ist das Bessere, nämlich als Herausforderung zur Auseinandersetzung, eine Herausforderung aus dem Stoff zerstörungsintensiver Druckwellen aus Unterdrückung und Überdruck, eine Herausforderung zum Reifermachen des Kampfs nach den pathopraktischen und diapathischen Maßgaben der Neurevolution kraft Krankheit.

 

II

Beim Versuch, unsere vorstehend skizzierte Position als Gegenüberstellung von Krankheit und Musik, speziell im Verhältnis zu neueren Entwicklungen zu skizzieren, ist zunächst die Überfülle an musikgeschichtlichem Einzelmaterial zu beachten, sodann die Tatsache, daß wir nach kritischer Sichtung mit keinerlei bestätigenden Einzelheiten und Beweisen aufwarten können, es sei denn, wir selbst als SPK/PF(H) stellen uns als Beweis, das heißt als Problem und als Teil der Lösung. Es gehört zu den Voraussetzungen, die wir in eigener Sache ständig machen, daß die meisten Probleme unlösbar sind, weil als Probleme viel zu klein, zu leicht, nicht schwer, nicht vollständig genug. Nicht nur der Einfachheit halber haben wir uns deshalb im Lauf der Jahre und Jahrzehnte versucht, daran zu gewöhnen, statt der Probleme nur noch ein einziges Problem zu sehen und zuallererst zu lösen, nämlich in einer Vielheit und Gegensätzlichkeit die Einheit, den Indifferenzpunkt der Interessensvielfalt.

So mußten wir im SPK in den Anfängen alle unsere guten Schallplatten erst einmal zertrümmern, um wenigstens in der Uneinigkeit darüber wieder eins zu sein, eins im Inhalt des Macht-kaputt-was-Euch-kaputt-macht, Jahre später dann von ganz anderen ganz anders publiziert, als Label in Berlin, und dann auch als Zeitungsente im australischen Sidney, und von dort aus über die Kontinente hinweg. Wir haben dann den menschlichen Körper nicht zergliedert, auch theoretisch nicht, um zu wissen, welche Musik wohin paßt, nicht zergliedert in Leib und Seele, nicht vornehm jackerpsychisch die Seele als Psyche in Empfindungsleib, Affektseele oder sonstwas unterteilt, nicht den Körper zergliedert; denn wir wußten, daß alles durch die Arbeitsteilung schon sowieso zergliedert ist und zerstückelt und verstümmelt. Wir haben aber dann, nach der Zertrümmerung, Platten ausgewählt, auf denen Texte der materialistischen Dialektik in Kurzform eines Singsangs eingearbeitet waren. Alle Beatles und sonstige Superstars blieben verpönt, von der Ablenkung durch dergleichen war abgelenkt, und statt musikogener Drogenabhängigkeit gab es die wachsende gemeinsame Unabhängigkeit.

Das PF-Lied von 1978, erster musikalischer Selbstausdruck nach Wahl in Text und Melodie, signalisierte gleichermaßen die Rückkehr zu den Wurzeln des SPK: "Aus Krankheit stark ...", und die abgrenzende Aufarbeitung der Esoterikwelle mit ihren nunmehr therapeutischen Superstars gegenüber den vormals im SPK in der beschriebenen Weise abservierten musikogenen.

Nebenbei und in der Folge war der Krankheit und dem Krankheitsbegriff im iatrokapitalistischen Justiz- und Kulturbetrieb zur Durchsetzung zu verhelfen, nicht zuletzt mittels Stimme und Schrift samt allem sprachlich, literarisch und künstlerisch dafür in Betracht zu ziehenden Material. Es mußten Instrumente her, um beispielsweise bestimmte Textstellen in Strafanzeigen gegen die Ärzte mit dem für Richterohren gegen den Strich ihrer Hörgewohnheiten versehenen zerfetzend kränkenden Beiklang schneidenden Sarkasmus auszustatten. Auch die Zensur von links kann leichter durchbrochen, der Argumentationszusammenhang in Sachen Krankheit vor Übergriffen besser geschützt und sozusagen idiotensicher gemacht werden, wenn der Tonfall den Regeln musikalischer Metrik folgt, vom schlichten Singsang und Kinderreim bis zum tunlichst verdeckt eingearbeiteten hochsakralen Formalismus.

Schließlich kamen wir erst in den letzten Jahren dahinter, daß Kunstwarenbetriebe unsere Texte unter dem Etikett SPK und sonst nichts, massenhaft vertreiben, und zwar zusammen und leicht verwechselbar für vor allem junge Käufer, mit Produkten der australischen S.P.K. Band. Aus diesen und anderen Gründen, vor allem aber weil wir die kontinuierliche Fortführung des Sozialistischen Patientenkollektivs tatsächlich sind, konnten und mußten wir uns umbenennen in SPK/PF(H). Das hat zur Abgrenzung nicht gereicht, denn die Verbreitung ist daraufhin erst recht noch deutlich weiter angestiegen. Auch unser PF-Lied, vor allem in seinen instrumentalen Neufassungen, haben viele der music band S.P.K. zugeschrieben und uns selbst für dieser music band Entsprungene gehalten. Wir haben mit der uns wohlvertrauten Klassik in Sachen E- und U-Musik daraufhin noch einige Zacken Abgrenzungsversuche zugelegt, beispielsweise eine Art Revolutionssymphonie verzapft, wie sie Franz Liszt schon als 18-Jähriger lieber hat wieder bleiben lassen, und das vorläufig Allerletzte ist unser Jubiläumstonband zur 30-jährigen Wiederkehr der ersten Ansätze Sozialistisches Patientenkollektiv. Aber selbst in Verbindung mit dem parallel hierzu erschienenen Buch eines US-Amerikaners, in dem die Unterschiede zwischen SPK/PF(H) und music band S.P.K. überdeutlich zum Ausdruck kommen, bleibt unsere Musik mit derjenigen der S.P.K. band im Kaufverhalten untrennbar verschmolzen und wird sogar bevorzugt, wenn es mal nicht unsere Texte sind, weil es da um die revolutionäre Krankheitskraft geht, die den Interessierten demnach wichtiger wäre als ihr richtiges oder falsches Kaufverhalten. Dennoch ist das Ganze für uns kein Geschäft, der Erlös weder unkosten-, noch auch nur selbstkostendeckend, während die S.P.K. band mit dem nämlichen Label sich seit 1985 in der Filmindustrie verspurlost hat und davon lebt, und das nicht schlecht, weil dort, laut Selbstbekunden, in einem Jahr mehr Dollar zu machen seien, als in 10 Jahren S.P.K.

Suchen wir nach stützenden Beweisen für unsere Ansicht zum Thema Auch in der Musik, Krankheit bleibt der Kick, dann müssen wir bei uns selbst anfangen. Die Gebrüder Sterneck in ihrem Buch "Der Kampf um die Träume", ganz neu von 1995, helfen uns hier nicht weiter, wenn es um Beweise aus der Zeitgeschichte geht. Unsere Ansichten können mit dem, was sie unter konsequenter Musik verstehen, schwerlich viel zu tun haben, wenn konsequente Musik dadurch definiert ist, mit politischem Handeln, wie Hausbesetzungen usw., verbunden zu sein und über Bewußtseinsbildung und Bewußtseinserweiterung den Anschluß an revolutionäre Bestrebungen zu finden. In dieser Definition fehlt der Bezug zu Krankheit völlig, mit dem unsere Musikauffassung steht und fällt. Und Revolutionäres ist in unserer Auffassung nicht in einem ektopischen Irgendwo dort, wo irgendwelche Leute gerade Revolution machen, oder wo die Musik aufgehört hat zu spielen, weil sie durch Bewußtsein oder Bewußtseinserweiterung hinreichend vertreten ist. Wir sahen uns veranlaßt, Wärmekategorien einzuführen, die das Bewußtsein schon in kleinsten Portionen Fiebertemperatur aufweichen, wenn nicht gar Muskeln und Leber, und die übrigens bei gehöriger Lautstärke und Geschwindigkeit der Trommelfrequenz zwangsläufig musikogene Trancezustände verursachen, die wir dem Wirken der Krankheit im Stoff der Wärme zugeschrieben haben, gerade in Techno und Industrial, das heißt der jedem bewußten Zugriff grundsätzlich entzogenen Thermomimetik, als Trance das Hinübersein in der Stoffwelt des als Utopathie immer noch und zwar erst recht, weil richtigen, aber keineswegs krankheitsfreien Gattungsvorscheins einer Gemeinsamkeit, der gegenüber Musik auch und gerade als Techno und Industrial die Funktion einer prinzipiell nicht unverzichtbaren Krücke haben könnte.

Das Sterneck-Buch, um dies noch ausdrücklich hervorzuheben, ist in Sachen fortschrittsbezüglicher Musikrelevanz ausführlich und gründlich wie kein zweites. Die Quellen der jeweils ausgeübten Musik samt den Geschmacksrichtungen derer, die sie akzeptieren oder verurteilen, werden kritisch in Frage gestellt, allerdings hauptsächlich innerhalb der Parameter patriarchalisch, sexistisch, rassistisch und profitlerisch. Der zweifellos größere Rest an Grundlagenarbeit, Materialprüfung und musikspezifischer Einschätzung auch nur trivialrevolutionärer Wirksamkeit bleibt im Dienst der herrschenden Ärzteklasse den Fach- und Sachwaltern des auch auf dem Sektor Musik praktisch und vor allem pathopraktisch längst überholten Fortbestehenden fast ohne Randkommentar leichten Sinnes überlassen. Überflüssig zu erwähnen, daß auch und gerade dieser Umstand für unsere Ansichten keinerlei Bestätigung darstellt.*

*Wolfgang Sterneck, Autor des hier zitierten Buchs " Der Kampf um die Träume", teilt auf Anfrage am 30.7.1995 mit: Er findet es richtig, daß wir unsere Ansichten den seinigen in dieser Weise gegenüberstellen. Er findet auch, daß seine Ansichten von uns richtig wiedergegeben sind. (Wir von SPK/PF(H) ziehen es vor, erst einmal gefragt zu werden, wenn jemand über uns etwas veröffentlichen will. Gern gehen wir deshalb mit gutem Beispiel voran. Leser wissen dann eher woran sie sind, ein Vorteil, den kein noch so langes Quellenregister, zumal unverdauten Lesestoffs auch nur annähernd aufwiegt.)

Es könnte gefragt werden, ob unsere Ansicht, daß der gegen die Stoffentfremdung gerichtete thermomimetische Effekt nicht doch irgendwelche Bestätigung aus einer, wie man weiß, mindestens seit altindischen Zeiten Jahrtausende alten Geschichte der Musikanwendung erhalte. Aus Sicht der heutigen Verhältnisse ist diese Frage umstandslos zu verneinen, komme doch seit spätestens dem letzten Jahrhundert Musik auch in unspezifischer Form, außer unterstützend bei der Therapie von Geisteskrankheiten, Verhaltensstörungen und zu Zwecken der Wiedereingliederung und Rehabilitation (Anpassung an das Bestehende), seriöserweise nirgendwo mehr zur Anwendung (Kümmel). Allerdings war noch in den Jahrhunderten seit Renaissance und insbesondere Barock oft und manchmal sehr nachdrücklich die Rede davon, "die eingepflanzte Körperwärme" oder auch "die angeborene Wärme der Organe" durch Musik zu "stärken" oder "auszugleichen", beispielsweise bei "Fieber", "Tobsuchtsanfällen" und dergleichen. Auch auf das Altertum und insbesondere auf Galen von Pergamon wird dabei verwiesen, gelegentlich mit der Begründung, daß Musik in dergleichen Fällen im Blick auf die krankheitsbedingte Entkräftung mit Darniederliegen der Verdauungsfunktionen weit angenehmer sei und auf jeden Fall besser ankomme, als Medikamente und diätetische Vorschriften, ganz zu schweigen von drastischen Eingriffen. Aber von musikogener Kompressionswärme, wie in der Exposition unseres Themas in Anschlag gebracht, ist auch hier weder bestätigend, noch ablehnend die Rede, geschweige denn von der Wärme in den Intervallen und Zwischenräumen, obgleich in der neueren Literatur die Inkompressibilität der den Körper zusammensetzenden Grundstoffe, insbesondere der Flüssigkeiten argumentativ und begründend miterwähnt wird und ganz sporadisch schon auch einmal die Frage aufgeworfen ist, woraus die Tonzwischenräume (Intervalle) denn wohl bestehen, wenn doch von einem Raum zwischen gleichzeitig erklingenden Tönen im buchstäblichen Sinn des Wortgebrauchs für Raum zweifellos nicht die Rede sein könne. Die Frage wurde immerhin aufgeworfen, steht aber noch heute unbeantwortet sozusagen im nämlichen Raum, kann also ebenfalls nicht zur Bestätigung unserer Ansicht über die Wärme im Schalldruck, geschweige denn über die schallfreie Kompressionswärme herangezogen werden, die nach unserer Unterstellung direkt Erdstoff und Körperstoff verbindendes Agens in den für unsere Fragestellung relevanten Anteilen zumal der modernen Generatorenmusik ist.

Unsere Behauptung, daß Wärme die Hauptsache ist und umgekehrt die Intervalltöne die Lückenbüßer, straft, falls sie zutrifft, alle Tonhierarchien und zugleich die sonstigen Hierarchien Lügen, ebenso alle Tonleitern, samt Jakobsleitern. Dennoch können wir auch diesen, offenbar von dem Jesuiten Athanasius Kircher (17. Jahrhundert) geahnten und schon im Altertum seit pythagoräischen Zeiten tunlichst geheim gehaltenen Sachverhalt (daß in der Anarchie mehr Wahrheit steckt als in der Hierarchie) nicht als Bestätigung heranziehen, denn im sogenannten Lambdoma, einer Tabelle mit den Bruchzahlen aller Töne (vgl. Pythagoräische Tafel), enden die diagonalen Verbindungslinien außerhalb, ist also Stille gesetzt als Gegensatz der Musik, nicht Wärme. Keine Spitze der Hierarchie, keine Rangordnung, keine Zwischenräume, Nuancen und Subtilitäten, sondern Wärme ohne Stille, entfallen Harmonien, Melodien, Klänge, Geräusche, Lärm, Stille als Unterscheidungsmerkmal, denn Wärme ist gestaltlos, unförmig, Massenkohärenz, unterschiedslose Einheit, ist Wärme, David und Goliath, Differential und Integral, und nichts bleibt als Struktur und Hierarchie der Umschmelzung entzogen, dazu gehörig auch die Umwälzung ursprünglich klassenloser Verhältnisse als Zukunft Menschengattung, wohlgemerkt, zuvörderst und zum Thema. Kein Geschrei mehr um dissonante Musik, kein Lärm um Lärm, und nur noch der thermomimetische Effekt zählt, alles andere, Verfestigte, Flüssige, Luftige, Feurige, Elektrische, Magnetische, das Zwischen: die zu vernachlässigenden Quantitäten der Tatsächlichkeit nach. Aber wie gesagt, das Lambdoma, bei aller Nähe zur Sache, postuliert in aller Stille eher einen toten Gott, als der Wärme den Beweis zu liefern (Musik und Spiritualität; Joscelyn Godwin).

Aber das eine ist die Überlieferung, und wir kommen wieder darauf zurück. Das andere ist die Tatsache, daß Techno schon einige Jahre vor unserer Beschäftigung damit in Gang gekommen ist, und die iakapistischen Bedingungen, denen Techno seine Entstehung verdankt, schon lange vorgeherrscht haben, bevor wir selbst oder irgend jemand sonst auch nur existierten. Jetzt kommen wir daher und fassen Techno, das heißt den aus den zugehörigen Maschinen und Leuten bestehenden Bevölkerungsteil als ein Hilfsmittel unserer Thermomimetik auf, das heißt als eine Maschinerie, die substantiell mit Wärme zu tun hat und weder mit Lärm, Geräusch, Ton und Schall, noch auch nur mit Musik und allem was dazugehört als Musikbetrieb, Verkauf, Lehre, Forschung usw., geschweige denn mit Belangen des Schadens oder Nützens oder gar solchen der Therapie, des Heils, der Behandlung und des Wohlergehens nach den Kriterien des Herrschenden und Bestehenden, nein, nach dergleichen Kriterien überhaupt. Wir unterstellen dabei nicht irgendeine Wärme, sondern Wärme im Verhältnis zum Stoff, und ansonsten höchstens noch Wärme im Verhältnis zu sich selbst, das heißt Wärme als Wärmestrahlung, Wärme als Schein und Erscheinung, ihrerseits insgesamt kein Stoff, auch nicht als Wärme im Stoff, sondern gegen die Passivität des Stoffes in jeder Form und Gestalt, Prinzip der Aktivierung und Aktivität, und nur durch die Wärme kommt der sonst träge Stoff in Tätigkeit.

Diejenigen, die Techno bevorzugen, weil es lärmt, aufmuntert, aktiviert, in Ekstase und Trance versetzt, tun es, vielleicht ungewußt, der Wärme wegen, die das aktivierende Prinzip jedes Stoffes ist, folglich auch ihres Körpers, wobei die Gestalten, auch stroboskopisch spürbar, fühlbar und erlebbar umgestaltet, umgeschmolzen und zusammengeschmolzen werden, und sogar im chill out noch ist die gewollte Wärmewelle das Bestimmende, eiskalt frostige Wärme Grenzerlebnis des gruppenfusionierenden Verschmelzens, und sei es unter Heulen und Zähneklappern. Es gehört nebenbei bemerkt, zur Physiologie der Wärmewahrnehmung hinzu, daß bei steigender Außentemperatur ab einem gewissen Punkt längere Zeit gefroren wird, bis dann auf einmal ganz plötzlich erst wieder das Gefühl der Wärme entsteht, und zwar als unerträgliche Hitze der Hautverbrennung. Wärmewirkungen sind also in sich selbst unstet, paradox, sprunghaft, widersprüchlich, überraschend, ungleichgewichtig, um nicht zu sagen, gegengewichtig, Schwerkraft aufhebend, levitativ, dissonant, soweit von Ton überhaupt die Rede sein kann, und jedenfalls unharmonisch. Das Aktivierende des Techno ist also gewußt oder ungewußt die dadurch erzeugte Schmelzwärme gegen das Auseinander in Form und Gestalt, ja auch in der Mode, wie dies sogar die Pop-Scene mittlerweile weiß: "Deine Zauber binden wieder, was die Mode streng geteilt" (Schiller-Beethoven übrigens, Ode an die Freude). Aber auch dies kann nicht als Beleg für unsere Auffassung in Sachen Wärme genommen werden; denn wer Techno bevorzugt, auch wenn nur die Wärme das Aktivierende daran ist, will deshalb noch lange nichts mit Krankheit zu tun haben, es sei denn, er zieht als Arzt oder Therapeut aus der Krankheit anderer seinen Nutzen, mit und ohne Musiktherapie, und sogar Techno ist ihm dafür immer noch gut genug.

Nun ist es aber so, daß die in Techno bevorzugte Aktivitätssteigerung, Sache und Erscheinung der vielleicht ungewußten Wärme, wie gesagt, auf Grund der geschilderten Verhältnisse in Wärme und Stoff ohne Krankheit erst recht nicht zu haben ist; keine Krankheit ohne Stoffwechsel, und folglich jede Krankheit eine Stoffwechselkrankheit. Folglich die im Techno gesuchte Aktivierung, wie jede Tätigkeit heutzutage, zwangsläufig mit Krankheit verbunden, die in ihrer aktiven Form Kränkung ist und kränkend wirkt, in ihrer passiven Form Gegenstand der Ausplünderung durch Ärzte und Therapien, und, falls gewußt, kränkend, noch in dieser passiven Form Kränkung. Kränkung ihrerseits jeweils einzig zwingend gewesener Grund für alle revolutionären Erhebungen als gehabte und noch zu gegenwärtigende, bis hin zum künftigen Geschichtsbeginn der Gattung Mensch in einer neuen, klassenlosen Gesellschaft. Das heißt eben gerade nicht, daß Krankheit der Preis des Fortschritts ist, ein Menschenopfer mehr zu entrichten an die iatro-kapitalistischen Verhältnisse, ohne die es Techno nie gegeben hätte; es heißt vielmehr und ganz im Gegenteil, daß Krankheit und Wärme, auslösbar durch Techno, dasselbe in anderen Worten sind, wie die Steigerung und Verbesserung der Tätigkeitsbereitschaft, deretwegen Techno gegenüber der überlieferten Musik, bzw. Musik überhaupt bevorzugt wird; kein zu entrichtender Preis also, kein Opfer, sondern vorwegnehmende, einer richtigen Zukunft abgeklaute Ekstase gegenüber anders unerträglichen Zuständen und Verhältnissen.

Die Aktivität der Trance haben wollen ist ein hinüber-sein-Wollen, nämlich dort sein wollen, wo Gattungseinheit ist, statt untierischer Zwiespalt beispielsweise, und Ekstase ist, mehr als alles tun zu wollen, das heißt also mehr als gewöhnlich aktiv zu sein, um die Stase, das heißt den Stillstand zu outen, nämlich selber dort zu stehen, wo Stillstand und Rückschritt - weil durch die überwindende Krankheit überwundene - Standorte höchstens noch der kopfschüttelnden Unmöglichkeit sind.

Bei Techno, unter Druck und Blitz, alle und allen gemeinsam, tanzen und tätigen alle begeisterungssteigernd, aktivitätssteigernd bis zum Umfallen, alle für sich allein. Die Revolution im SPK, ungefragt nach Schmerzen und Beschwerden der Einzelnen und in den Einzelnen, machte und besorgt und besorgte nichts anderes und nichts anderes besser und gründlicher im Einzelnen und in den Einzelnen, als ihre jeweilige Einzelkrankheit, sie zwingend, alle Beziehungen und alles Hängen im liegenden Stand (s. Tarot XII), alles Hängen an etwas, und sei es am Leben, von Grund auf umzuschmelzen, besorgt um die Revolution der andern und diese andern ständig unter dem Druck ihrer aktivierten Krankheit gehalten, angeblitzt und abgeblitzt, das SPK eine Weile der Generator, wie beim Techno das Synthesizer-Geräterädel. Es zeigt sich schon hier, nebenbei gesagt, daß die Beweise für Techno, das heißt für unsere Ansichten darüber, unbrauchbar sind und höchstens schwach, wenn wir sie dem vergangenen Musikgeschichts- und -wissenschaftsbetrieb zu entnehmen versuchen. Wer mutmaßt, daß unseren eigenen Kreuzproben, um nicht immer zu sagen: Beweisen, ganz unsektiererisch auch schon deshalb der Vorzug zu geben ist, tut sich deshalb in eigener Sache bestimmt nicht das Schlechteste an.

In der PF weiß man zwischen aktivierender Krankheit und Wärme einerseits und dem Sterben andererseits genau zu trennen, Hilfe von so wohlmeinenden wie falschen, ehemals engsten Angehörigen ablehnend, noch im Zustand fortgeschrittener Bewußtseinstrübung, aber schlagfertig gekräftigt durch nichts außer Krankheit, und die Reanimationsversuche in der Notfallklinik kommen zu spät, weil auf dem Weg dorthin schon mehrfach am Tod gestorben wurde, nicht aber an der den Tod überwindenden Krankheit, mit ihrem Nein zu allen früheren und ehemaligen so engen wie ach so lieben Liebesbeziehungen, Hobbies, Unverzichtbarkeiten.

Auch im Beispiel des Gegenteils ist die Beweiskraft unserer Ansichten über die Tätigkeitssteigerung durch Wärme und Krankheit noch erkennbar und ausreichend zumal dann, wenn es, wie hier, nur um unsere Ansichten zum Thema Techno und Musik geht. So habe eine ehemalige Teilnehmerin am SPK, wird noch 1985 in einem Bremer Sozialarbeiterbuch verbreitet, die Einlinearität des immer-nur-dem-Volke-Dienens als eine Revolution für die anderen zurückgewiesen, wobei besagte Ehemalige behauptet haben soll, um Revolution für einen selber mit seiner Krankheit sei es im SPK nie gegangen. Nein, denn nur mit Krankheit in den eigenen Händen kann man sicher sein, niemals Opfer einer Stellvertreterrevolution zu werden.*

*Die beispiellose Bindungsdichte im SPK, kontinuierlich bis heute, die Null-Toten-Jahresrate, für Fachleute und Laien ein unlösbares Rätsel, das Immer-zu-mehreren überall auch und vor allem außerhalb des SPK - , aber diesen "Bremer Stadtmusikanten" mit ihrer Ehemaligen als Solistin, die sie dafür ausgeben bzw. die sich dafür hergibt, auch diesen "wissenschaftlichen Sozialisten", Sozialschleimern, Re-Professionalisten, allerunterste Kategorie unter den Helfern und Helfershelfern der alles durchherrschenden Jackerklasse fällt dabei an Erklärungsbedürftigem nichts weiter auf.

Unter Anwendung auf Techno wäre aus diesem Beispiel zu folgern, daß die Krankheit im Einzelnen auf Auslösung hin zusammen mit der Wärme sowieso die alle Verhältnisse überwindende und umschmelzende Revolution ist, die so oder anders stattfindet und sich durchsetzt, auch bei ehemaligen SPK-Zugehörigen, Betonung auf ehemalig, während das Interesse an Aktivitätssteigerung und das Streben nach Ekstase und Trance ein anderes, die anderen forderndes ist, und zwar die Revolution der andern für die andern und durch die andern, die ihrerseits kraft eigener Krankheit als einzelne sich selbst durch Krankheit sowieso verhältnisüberwindend revolutionieren, solange sie am Tod sterben und nicht auch noch dafür, die prinzipiell todüberwindende Krankheit statt der Therapie nötig haben, die den Tod sowieso besorgt, falschmünzend tödliche Krankheiten erfindend. Noch beim Sterben und gegen den ärztlichen Übergriff ist die Wärme im Zusammenhang mit der Krankheit die von der Gestalt sich selbst befreiende Gestalt (Hegel), ist die Wärme also die Aktivität gegen die Passivität des wehrlosen Ausgeliefertseins an die Verhältnisse in Gestalt von Tod und Therapie.

Auch soweit wir Krankheit im Zusammenhang mit Wärme als thermomimetisch auslösbar auffassen, zum Beispiel im Zusammenhang mit Techno, taugt, was wir musikgeschichtlich vorfinden, nicht als Beweis und Stütze. In der Lambdoma-Lehre, von der oben schon kurz die Rede war, kulminiert alle Schöpfung, kulminiert sogar der Weltenschöpfer, beziehungsweise kulminieren sämtliche Weltenschöpfer in der Stille, zu der kein Laut dringt, von der kein Ton ausgeht, nie ausgegangen ist, niemals ausgehen wird, so wird erzählt und zwingend ergibt sich dies aus dem pythagoräischen Zahlensystem*. Es liegt in diesen bis in das Altertum zurückreichenden Berechnungen beschlossen, daß der Demiurg, der Weltenschöpfer, und sei es ein Satan mit seinen Engeln, Teufeln und Dämonen mittels Musik und sonst nichts sämtliche Kulturen nacheinander geschaffen und auch mit Musik jeweils wieder zerstört hat, die Musik selber von Epoche zu Epoche eine andere, immer zweischneidig in der Reaktion auf eine vorhergehende und in der Vorbereitung einer kommenden Epoche, und alle Geschöpfe, die ganze Natur samt Kosmos, sowieso das Werk dieser Musik.

*Am Anfang war das Wort und das Wort war ein Gott - , auch dies gehört in eine noch ganz andere Rubrik, die sogar nach dem Lambdoma mit dem Anfang jedenfalls nichts zu tun gehabt haben kann.

Mag sein, daß diese Musik, am Anfang noch schöpferisches Wort, guten Grund hat, in der Stille zu enden, und immerhin ist die Stille beweisbar. Aber hinsichtlich der Wärme in unserer Betrachtung der Musik, vor allem des Techno genannten, hilft uns dieser Beweis nicht weiter. Was wir der Wärme zumuten im Zusammenhang mit Krankheit ist eine Entgiftungsfunktion als Triumph der Umschmelzung des Gestalteten. Es scheint, daß die Wärme viel älter ist als das Wort, die Krankheit viel älter als die überlieferte Musik. Aus Tönen und Musikstücken lassen sich Organismen aufbauen, Figurationen verstofflichen (zum Beispiel Chladnische Figuren) und sogar mit schrillen Kreischtönen zum Beispiel Weingläser zum Zerspringen bringen. Wärme kann die Stille ersetzen, denn auch in der Wärme schweigen Ton und Musik, und wären Töne giftig, fremdkörperhaft, entfremdeter Stoff in einer entfremdeten Welt, der Gattung Mensch mit Sicherheit entfremdet, weil außer Verhältnis dazu, dann wäre sogar Musik, jede Musik für alle wieder eher verdaulich und sogar die absolute Stille, nur einmal angenommen, es war durch Wärme und Krankheit schon immer gesorgt für Entgiftung, kurz: die Wärme ist mit der Stille in unserer Musikauffassung durchaus verträglich, aber die Stille ihrerseits tut zugunsten der Wärme nichts zur Sache (Wer unter den Erzengeln singt: wir däuen? Die Cherubim nach Steiner). Wird die Menschengesellschaft unter dem Begriff Arbeit (Karl Marx) gefaßt, statt als fehlende Gattung unter dem Gesichtspunkt Krankheit, dann liefert die Geschichte als Archäologie und Altertumsforschung Tierknochen als erste flötenartige Instrumente mit 4 Löchern 15 000 Jahre zurück (Liedtke), auch Menschenknochen, Tier- und Menschenhäute späterhin für Kriegstrommeln, Trommelfelle sozusagen. Tierhörner als Instrumente verweisen aus okkult-esoterischer Sichtweise in ihrem Gebrauch als Schallerzeuger nach Form, Wirkung und Entsprechung eher auf den Mond, auf Astrales, Luftiges, Ausgetrocknetes, wie überhaupt die meisten Instrumente planetarischen Einflüssen nachempfunden worden sein sollen und deshalb nach Bau, Form und Tonqualität auf erst geträumte, später dann erfundene und deshalb in der Natur gesuchte und gefundene, vom jeweiligen Instrumentenbauer durch Umbau und Erprobung gefertigte Endformen zurückgehen. Wer sie still betrachte, dem klinge ihre und seine eigene Musik entgegen (Cage), ein Widerspruch und Unding, nach allem schon über die Stille Ausgeführten, übrigens, und wieder kein Beweis in Richtung pro Wärme und Krankheit, und erst recht nicht in Richtung pro Techno.

Einhellige Ablehnung der Krankheit ist ein durchgängiger Grundzug in der ganzen Musikgeschichte. Die Musik sei so gesund, daß Krankheit nur als Dissonanz aufzufassen sei, heißt es noch im 16. und 17. Jahrhundert (Mersenne, Marin; 1634; wörtlich: "Gesundheit ist so musikalisch, daß Krankheit nichts anderes ist als eine Dissonanz" ).

César Franck, ein belgischer Komponist, Organist und Improvisator im 19. Jahrhundert, hat seine Kunst ausdrücklich der Krankheitsbekämpfung gewidmet. Die zugehörige Ideologie, besonders hochgehalten von der "Christlichen Wissenschaft", verdammt Krankheit zusammen mit dem Bösen,-das-wir-uns-selbst-schaffen, während die Außenwelt samt Gott und Musik gut sei, schlicht das Gute überhaupt. Der vorerwähnte Kirchenmusiker und Mystiker César Franck ist trotz seines Kampfs mit Orgel und Orchester gegen die Krankheit der andern zeitlebens einsam geblieben und an seiner Beerdigung soll kaum ein Kollege teilgenommen haben, weil alle sich durch eine gerade umgehende Krankheit für entschuldigt hielten. Haßliebe als Krankheit bindet entweder doppelt, oder stößt einfach eben nur ab.

Andere Komponisten der neueren Zeit wie vor allem Mussorgski, aber auch Debussy und Ravel, haben offenbar die Außenwelt als weniger harmoniegetragen wahrgenommen. Sie griffen das Häßliche und darin auch die Krankheit in ihren Kompositionen auf und vor allem Mussorgski soll nach dem Zeugnis mancher Autoren (Scott) dadurch zur Steigerung der vorrevolutionären Unruhe im zaristischen Rußland wesentlich beigetragen haben.

Aber das Häßliche als Krankheit durch Kunst geschönt gegen die bestehenden Verhältnisse zur Geltung zu bringen oder aber Krankheit im Gattungsvorschein der Wärme als revolutionäre Kraft in Selbstbrandmarkung einzusetzen, das heißt für und mit Krankheit voll einzustehen, auch gegen die überlieferte Musik, ist etwas ganz anderes, nämlich einhellige Zustimmung zur Krankheit, in der man, auch als ein Mussorgski, tatsächlich unter Abbruch aller diplomatischen Beziehungen mit den bestehenden Verhältnissen im Kriegszustand ist, eine Existenzform, die ohne z.B. schwere Einzelkrankheit, im Allgemeinen denn doch ein zuviel an Risiko und Wagnis enthält; und auch der nonkonformistischste Komponist, und sei es ein Mussorgski, ist ohne ausdrücklichen und absoluten Bezug zur Krankheit noch kein Ansatzpunkt für das revolutionäre Werden in seiner Unverfügbarkeit für die auch jede musikalische Gestalt und Struktur umschmelzende Wärme.

Wenn Krankheit in der Musikgeschichte erscheint, dann als etwas substanziell Gehaßtes und Zurückgewiesenes, zulässig allerhöchstens als eine kunstvoll zum Schönen verklärte Häßlichkeit, mit dem Zweck beispielsweise, wie schon die Cyniker im alten Griechenland gegen die Armut im Reichtum oder gegen den Reichtum in der Armut zu protestieren. Die Grenze, an der sich diese Dialektik eines jahrtausendealten, grundsätzlich falsch situierten Klassenkampfs bricht, und diese Grenze ist substantiell Krankheit in ihrem schließlichen überwindenden und umschmelzenden Bruch mit allen Verhältnissen, diese Grenze bleibt dabei außer Betracht. Und die Ablehnung der Krankheit im Blick auf die Musikgeschichte eine einhellige.

Auch Teile der Industrial Music in der Gegenwartsgeschichte bevorzugen hier durchweg die überlieferten Maßstäbe herkömmlicher Musik und Musikgeschichte. Es gibt die Kompositionen eines Adolf Wölfli "trotz" seiner Krankheit, aber in ihrer bis heute noch nicht völlig erschlossenen Befremdlichkeit habe sie ausschließlich mit Kunst zu tun, aber in keiner Weise mit Krankheit. Und um ihre Anerkennung als Kunst sei zu kämpfen, hat ein Sprecher der australischen S.P.K. band noch vor einigen Jahren anläßlich der documenta gefordert (vgl. SPK - KRANKHEIT IM RECHT; 1995; englisch, mit T. Blake, USA, vorm. Co-Autor), und Krankheit sei all dem fernzuhalten und ihre Bekämpfung, ja Bekämpfung der Krankheit, nicht Revolution durch Krankheit –, sei Sache von etwas ganz anderem, nämlich Sache des medizinischen Fortschritts gegen Mißstände in der Krankenbehandlung und vielleicht noch Mißverständnisse in der Gesamtgesellschaft hinsichtlich der Maßstäbe und Kriterien dessen, was Norm ist und Normabweichung; aber daß Krankheit in der Kunst, vor allem aber in der Musik etwas zu suchen habe, wobei Industrial ja genaugenommen schon keine Musik mehr ist, - und trotzdem: Krankheit bleibt abgelehnt, der Schmuck der fremden Federn ihre allemal sichere Rache.

Diesen Ablehnern der Krankheit insgesamt hätten wir vorzuwerfen, daß sie in der sie unmittelbar betreffenden Materie, nämlich dessen was Musik ist, oder im strengen Sinn keine Musik mehr, alles andere als gründlich sind, sondern ganz im Gegenteil, statt mit ihrem eigenen Kopf zu denken, wenigstens eigene, und seien es falsche Behauptungen aufzustellen, sachfremde und sachuninteressierte Vordenker aus dem Wissenschaftsbetrieb, der noch nicht einmal der gegenwärtige musikwissenschaftliche sein muß, auf der Suche nach Bestätigung in dem von ihnen gewählten sektorialen Musikbetrieb heranziehen, diese für sich und ihre Sache sprechen zu lassen bestrebt sind, wo von vornherein klar ist, daß besagte Wissenschaftler weder für sich selbst einstehen können und für ihre Sache, oder dies auch nur wollen, geschweige denn für das was andere, ihrer Ansicht nach obendrein auch noch Inkompetente, Dilettanten und Fachfremde an Vorteil für ihre Sorte Musikbetrieb herauszuschlagen versuchen. Und wo sie gründlich erscheinen, zum Beispiel in Ablehnung der Krankheit als zum Bösen und Selbstverschuldeten im Menschen gehörend (s.o., "Christian Science" etc.), da sind sie Opfer ihres Zweifels und Unglaubens, die sie je nachdem mit Harmonien oder Dissonanzen bekämpfen, vorgeblich als die Krankheit der andern, eben von der Krankheit zu Erlösenden.

In Sachen Wärme ist die Ablehnung vor allem in der Vergangenheit weniger einhellig. Freilich ist, wenn es um Fieber geht, jedes zuviel an Wärme zu bekämpfen, mit Pauken und Becken gelegentlich, wie noch im 15. Jahrhundert und schon im Alten Rom der Kriegsmusik. Die Frage, ob das Fieber vielleicht zu gering, zu partiell oder überhaupt nur Nebeneffekt war, es folglich an Wärme gefehlt haben könnte, wird erst gar nicht gestellt, geschweige denn erörtert, und sei es im Nachhinein von gegenwartsgeschichtlichen Forschern und Gelehrten.

Ansonsten wird Wärme sogar bejaht, ausdrücklich beispielsweise bei Villanova (Barockzeit), und zwar im Zusammenhang mit dem Singen als einem wichtigen Teil der Diätetik (Lehre von der richtigen Lebensführung)*, weil Singen Kopf und Brust erwärme und im übrigen die beste sportliche Betätigung sei, vor allem bei sonst geschwächter Körperkonstitution. Innerhalb der Wärme selbst, die von Körperteil zu Körperteil verschieden ist, am höchsten im Körperinnern zum Beispiel in der Leber, am tiefsten in der Lunge, chronisch wieder anders als akut, und ortsbezogen verschieden, wird dabei nicht differenziert, schon gar nicht Qualitatives und Unstetes, Reaktionsbeschleunigendes oder Dämpfendes und dergleichen Qualitäten in der Wärme unterschieden.

Musik oft wichtigster Bestandteil und Streitgegenstand auch bei der elitären Kindererziehung bei Griechen und Römern und noch in der Neuzeit (Klavier-, Geigestunden etc.)

Keineswegs pauschal abgelehnt und bekämpft wie die Krankheit, war also der Wärme eine eher wohlwollende Neutralität zugesichert, und sogar ausdrückliche Akzeptanz bei der Musik als Gesang, wobei das Interesse an den Feinheiten dem Gesang gegolten hat, seinerseits mit Vorsicht zu genießen. In der mittelalterlichen Schulung und Erziehung zum Redner beispielsweise war nicht gleich mit Musik und Gesang zu beginnen, sondern auf Wärmeeffekte bezüglich Kopf und Lungen und sonst erst einmal mit lautem Vorlesen irgendwelcher, selbstverständlich meist klassischer Texte zu beginnen. Dann wurde als zweites fortgeschritten zur sogenannten Solmisation, das heißt dem Singen einzelner Töne der Oktave und erst dann und drittens durfte richtig gesungen werden. Kurz: die Wärme nahm und nimmt man, wie sie ist, tut etwas dafür oder dagegen und die Krankheit wird abgelehnt, immer noch, obwohl heute der größtmögliche Vorteil daraus geschlagen wird (Iakapismus, world's biggest business).

Die dialektische Methode, vorfindbar bei Hegel, haben wir nicht benutzt, um unsere Ansichten über Musik, speziell Techno, im Zusammenhang mit Krankheit und Wärme zu bestätigen, sondern um diese Ansichten in Worte zu fassen. Wir reden von Diapathik als der Methode zur Bearbeitung des Inhalts Krankheit. Denn Krankheit liegt der Sprache und der Musik voraus und in Musik und Sprache ist soviel Wirklichkeit bzw. Realität, als Krankheit drin ist, und ihre reale Erscheinungsform ist die Wärme. Dies wird besonders wichtig in einem der folgenden Abschnitte, in dem nochmals auf das Paranormale zurückzukommen sein wird. Hegel könnte unsere Ansichten zum Thema Musik schon deshalb nicht bestätigen, weil für ihn der Substanzverlust der Musik als Kunstform schon ihr Ende angezeigt hat, wenn Gefühlsäußerungen, wie beispielsweise Freude und Schmerz, als Seufzen oder Lachen in ein Kunstwerk eingebaut waren, wie beispielsweise in der Oper Der Freischütz von Carl Maria von Weber der Fall, für Hegel das Ende der Kunst damit schon überschritten, deren Blüte die italienische Opernmusik seiner Zeit. Das ist so, weil für Hegel die Sprache und das Bewußtsein vom Schmerz und von der Krankheit befreien, wenn überhaupt etwas, und soweit überhaupt möglich, und im Übrigen ist der Arzt zuständig, nicht die Philosophie, wenn es um empirische Krankheit geht, wobei Hegel das Versagen der Medizin gegenüber allem, was Krankheit philosophisch und begrifflich ist, allerdings überdeutlich wahrgenommen und bedauert hat. Nach Hegels Musikverständnis hätte es eines Techno gar nicht bedurft, denn die Musik war sowieso als Kunstform schon zu seinen Lebzeiten für ihn nicht mehr existent. Wir unsererseits sehen in Techno als einem Teil dessen, was wir Thermomimetik nennen, sowohl das klassenlos ursprüngliche, als auch das gattungshaft künftige Moment zu dem im Verhältnis die ganze Musikgeschichte dazwischen bestenfalls eine elitäre Fehlentwicklung darstellt, ihrerseits zumindest in Teilen brauchbar, und zwar ausschließlich unter den hier in Rede stehenden von uns gemachten Voraussetzungen. Zur Frage des Elitären an der Musik stehen neuere Mitteilungen zum Beweis, wonach zumal die ausgeübte Instrumentalkunst mit Begabung, Genie, angeboren, Genetik und dergleichen absolut nichts zu tun hat, sondern ausschließliche Funktion in der Hauptsache dreier Faktoren ist:

a) reicher und sozial gut gestellter Eltern

b) frühen Beginnens mit dem Üben, möglichst zwischen 7 und 10 Jahren schon,

c) Zahl der Übungsstunden bis man 20 ist*.

*Bruhn (Hg), John A. Sloboda in Musikpsychologie, 1993:
Wer nur 5 000 Stunden geübt hat, kann auch nur Musiklehrer werden. Wer aber bis er 20 ist, 10 000 Stunden geübt hat statt nur 5 000, der wird dafür dann auch ein Oistrach, Menuhin oder ein Rubinstein. Wer erst nach 20 anfängt, Übungsstunden zuzulegen, büßt dafür doppelt und dreifach, und zwar für jede Kategorie.

Ein Beweis, der nicht nur seiner Kuriosität wegen nebenbei zu erwähnen ist, im übrigen aber zur hier in Rede stehenden Sache durchaus verzichtbar. Die im Zusammenhang mit Hegel erwähnten herausplatzenden Gefühlsäußerungen (Interjektionen, Zeichen des Niedergangs in seiner Sicht) finden sich in Techno erst recht, denn je lauter die Zwischenpfiffe mit Trillerpfeifen und je lärmender die spitzen Schreie, desto besser, und die Möglichkeiten des heute Stroboskopie Genannten, in früheren Jahrzehnten längst als Lichtorgel bei allen möglichen Aufführungen Geläufigen, zumal in der Filmindustrie in ständiger Fortentwicklung, ihrerseits blitzgewittrige Interjektionen, sind noch längst nicht voll ausgeschöpft und als Gattungsvorschein herstellungskategorial sogar dringend gefordert mit allen Trillern, Jodlern und Spitzenkoloratursprüngen, denn bei der Herstellung der Menschengattung gibt es keinerlei Vorbild, dafür aber vielleicht um so mehr selbst zu tun, um sonst lediglich tiergattungsspezifisch Nachbildhaftes abzudrängen.

Wenn wir in unserer dialektischen Tetrade die Musik der Wärme vorangestellt haben, dann nicht, weil es uns um eine Bestätigung durch Hegel zu tun war, eine Bestätigung, die auch er uns, und zwar nicht nur aus den schon zitierten Gründen, mit Sicherheit schuldig bleiben müßte, dann deshalb, weil auch in seiner Tetrade des Seins am Beginn seiner dialektischen Logik das Nichts, die Negation, immer die Hauptsache ist, auch und gerade wenn sie auf dem Papier an 2. Stelle kommt, hat sie doch gegenüber der Position, dem Positiven, dem Sein, den Vorzug, daß es sie ebenfalls gibt, daß sie aber im Unterschied zum Sein, dem Positiven, auch noch gleich zusätzlich negativ ist, nämlich genau das, wovor sich das Sein hüten muß, es zu sein oder zu werden, denn sonst ist es nicht nur die längste Zeit, sondern überhaupt geblieben was es mal war, nämlich Sein im Dasein. Daß die Wärme eben dies ist im Verhältnis zur Musik, steht bei Hegel nirgendwo, kann also ebenfalls nicht zur Bestätigung unserer Ansichten in Sachen z.B. Techno statt Musik herangezogen werden. Die Wärme wie die Schwerkraft hat Hegel seinerzeit als eine Eigenschaft der Körper betrachtet, und den Rest ihrer Bewegung und Geschwindigkeit als Himmelskörper zugeschrieben, ein Rest, zu dem auch gehörte, daß es bestimmte Kometen gar nicht geben kann, und auch nicht geben darf, und eben ein solcher Komet wurde dann nachträglich entdeckt, ein Umstand, der damals Hegel fast seine Habilitation gekostet hätte. Inzwischen ist Hegel nach Methode und Schlußfolgerungen bekanntlich bis in die letzten Forschungsergebnisse der Physik rundum bestätigt worden. Winzigste Körper, statt nahe dem absoluten Nullpunkt einfach einzugefrieren, verschmelzen und fusionieren zur gemeinsamen Schwingung als Welle. Das paßt manchen beim Techno so gut, anderen hinwiederum überhaupt nicht in den Kram. Auch dort verschwinden Körper ganz umstandslos in der Lichtorgelei und tauchen ganz unvermutet anderswo wieder auf, nicht wiederzuerkennen, auch nicht zu definieren und identifizieren, des unsäglichen Lärms wegen allein schon. Sogar das Bundeskriminalamt mit seiner Spitzentechnologie wäre ratlos. Doch auch darüber stand noch nichts in Hegels Habilitationsschrift, so wenig wie über die Wärme in ihrer Beziehung zur Krankheit in seinen sonstigen Schriften, es sei denn mit Bezug zum Fieber, dort wo es, im Übergang von der Natur zum Geist, um Gattung und Krankheit geht.

Es ist richtig, daß auch nach Hegel Krankheit und Krankheitsvorgänge im Einzelnen nur aufgefaßt werden können auf dem Hintergrund und auf der Grundlage von Gattungs- und Begattungsverhältnissen, das Geschlechtsverhältnis dem Krankheitsbegriff auf dem Papier in der "Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften" direkt vorangestellt, der Krankheit nachfolgend die Einhausung in starre Lebensgewohnheiten, ihrerseits schon der Tod, gleichgültig wie biologisch jugendlich noch das jeweilige Alter. Richtig ist auch, daß das Verhältnis zur Gattung in der Einzelkrankheit ein unaufgelöstes, das heißt äußerst und bis zum Zerreißen gespanntes und schwer lastendes bleibt, und Unterdruck, um nicht zu sagen Unterdrückung und Überdruck sind in dieser Spannung, wie in jeder anderen mechanisch und buchstäblich sozusagen mitgesetzt wie in der Druckwelle als der Erschütterung des Stofflichen durch und durch, das Hervortreten der Wärme als einer Grundeigenschaft des Stofflichen dessen Phasenübergang ist, vergleichbar dem Wasser beim Frieren zur Gestalt und festen Form der Eiskristalle und deren Schmelzen zur Wasserwelle; und der Geist, hier die Wärme, hat, wie übrigens überall in der Hegelschen Philosophie seinen Ort im Stoff, und weder im Himmel, im Gedanken, noch sonst irgendwo dort, wo er als unverstofflicht, aber dennoch existent auch und nicht zuletzt von sogenannten denkenden Menschen zumeist geortet wird, auch und nicht zuletzt gerade von materialistischen Denkern, vor allem wenn sie, als Feinde des Geistes und des Priestertrugs, bestrebt sind aufzutreten und zu erscheinen.

Die mit der Musik als einem auslösenden, sozusagen magischen Agens schon immer in Verbindung gebrachten paranormalen Wirkungen (Fernwirkung, Hellsehen usw.) haben wir ja schon mit Wärme als einer Stoffeigenschaft in Verbindung gebracht, was Hegel allerdings tunlichst unterlassen hat mit der ausdrücklichen und einzigen Begründung, daß dergleichen nicht etwa nicht existiere, Aberglaube oder reiner Humbug sei, sondern nicht zum Handwerk eines Philosophen gehöre, sondern der Forschertätigkeit von Medizinern zu überlassen sei. Es ist eben auch hier bei Hegel so wie in der allermodernsten Physik: worauf es ankommt, ist ein Resonanzfeld von Wirkungen, wobei diese Wirkungen immer stoffgebunden sind, unterscheidbar und veränderbar als Wirkungen und Auswirkungen nur, wenn sie in stofflicher, materieller Form auftreten, stoffliche Wirkungen, die als getrennte z.B. Quanten genannt wurden, als fusionierte noch immer Schwingung oder Welle genannt werden, und die vorkommen nicht in Raum und Zeit, sondern als Raum und Zeit, Raum und Zeit also ihrerseits nichts außer einer Eigenschaft der jeweiligen Wirkung als Körper, Eigenschaft des jeweiligen Körpers genauso wie dessen besondere Schwerkraft (spezifische Schwere), wie dessen Wärme (spezifische Wärmekapazität). Weil zur vollständigen Definition der Wärme die Verstofflichung gehört, das Verkörpertsein und die Verkörperung (Körper ist Stoff mit Form und Gestalt), ist mit Wärmedefinitionen wie "Brownsche Molekularbewegung", "Wärme ist Energie, aber eine schlechte Energieform, nämlich mit geringem Wirkungsgrad, weil das meiste davon verloren geht", überhaupt die Rede von "Energie", "Umschlag der Materie in Energie" und umgekehrt, die Rede von "Kraft" und dergleichen, höchstens auf Teilgebieten brauchbar, als unverstofflichtes Gedankenzeug höchstens leere Hilfsvorstellungen, kurz: Spinnerei.

Sogar Mediziner in der physiologischen Chemie von heutzutage (Biochemie) wissen, daß Wärme mit der Funktionsweise von Körpersäften zu tun hat, Stoffumsetzungen beschleunigt oder bremst, je nach Wärmequantum, Wärme also ihrerseits aktivierend oder bremsend die Fermente, Katalysatoren, Hormone in ihrer Wirkung auf Stoffwechselvorgänge nicht zuletzt. Wärme nach Quantum und Maß (ist) Aktivieren der Beschleunigung in Körpervorgängen des Stoffwechselumsatzes und Aktivierer der Bremsung, Beschleunigung und Bremsung ihrerseits bekanntlich als Fusionierungsvorgänge nach Druck und folglich ebenso nach Spannung aufzufassen. Dennoch ist auch in der Biochemie Wärme eher Begleiterscheinung, wenn sie beispielsweise nach reichlichem Essen als "spezifisch-dynamische Wirkung der Eiweiße" aufgefaßt wird, oder im Fieber als Phänomen oder Symptom für etwas erst noch zu Diagnostizierendes, und bis dahin okkultes ganz anderes, oder in seinen besonderen Beziehungen und Veränderungen des Verlaufs fast schon als die Diagnose selbst, nämlich "Tertiana" oder "Quartana" ("Malaria") oder "Typhus" (hohes gleichmäßiges Fieber, "Continua", stark verlangsamter Puls, "Bradykardie", Gallenblasengeschwür vielleicht schon durchgebrochen; operieren entweder sofort oder nach Abklingen, ja Abklingen der entzündlichen Begleiterscheinungen); womit wir übrigens unversehens in Sachen Wärmeaktivität schon in der klinischen Pathologie gelandet sind, und die pathologische Anatomie ist gleich um die Ecke.

Von der Wärme ist also die Naturwissenschaft samt Musiktheorie etwa so weit weg und außer Verhältnis dazu, wie philosophisch-materialistische Theorien zur Krankheit außer Verhältnis sind. Es ist weder Hegel noch einem seiner Nachfolger eingefallen, zur Krankheit den revolutionären Prozeß als den zugehörigen Gegensatz, und sei es auch nur spekulativ, explizit in Betracht zu ziehen, und auch Karl Marx hat alles Physiologische, Ansatzpunkt nicht zuletzt auch eines eindringenden Musikverständnisses, ohne nähere Angabe von Gründen den Ärzten überlassen.

Die Medizin ihrerseits kennt die Wärme neben anderen Parametern, wie Isothermie, Isotonie (dem steady state des Blutkreislaufs, Blutdruck, RR) und Isoionie (z.B. dem pontus hydrogenii, dem pH-Wert) höchstens als Naturkonstante, Voraussetzung für ein von ihr so definiertes optimales oder wenigstens normales Funktionieren der Lebensvorgänge.

Die Medizin ist damit in der Sache übrigens keinen Schritt weiter als die schon zitierten Vorbarock- und Altertumsmediziner mit ihrer "eingepflanzten" beziehungsweise "angeborenen" Wärme. Jene konnten sich immerhin noch zur Musik in ein Verhältnis setzen, indem sie die Pulsschläge und die Hebungen und Senkungen in Atmung und Stimme (Metrik), gelegentlich auf kosmische Verhältnisse hochgerechnet, auf platonische Weltenjahre, Zyklen und Kulturepochen übertrugen, bevor die Chronometer und Uhren als Zeitmeßinstrumente auf dem Markt waren und auch im Takt der Metronome alle Beziehungen und Verhältnisse auch in der Musik fein säuberlich in Arbeitseinheiten zerhackstückten, ganz im Gegensatz zu den Donner- und Blitzgeneratoren des Techno, die das Zerhackte im fusionierenden Baßbeat in der Einheitsschwingung der Vielfalt und Unterschiedlichkeit von Körpergestalten klassen- und rassenfrei wiederverkörpern, und sei es auch nur sporadisch und begrenzt, aber als reale Illusion des Gattungsvorscheins noch allemal.

Diese klassenlose Verkörperung, machbar von allen ohne den Funken überlieferter Musikausbildung und Musikverständnisses, klassenlos bis zur Gestaltlosigkeit, über dem infratiefen und dabei verschmelzungsfrequenten Baßbeat meinen wir, wenn wir von Techno reden. Nichts sonst, was Techno heißt, Pop, Klassik, Industrial, ist dabei von Interesse. Das Gattungshafte daran erinnert uns an Krankheit, so wie wir sie verstehen, in der Hochspannung und unter dem Überdruck des Gattung-oder-Tod, und das Trotzdem-aktiv-sein gegen die passivierende Fremdbestimmung schreiben wir der Wärme zu und ihrer, vor allem aus dem Leberstoffwechsel auch anderweitig bekannten zentralen Entgiftungs- und Neuverstofflichungsfunktion (Assimilations- und Verdauungsprozesse aller Art, in antiquierter Diktion), die wir Thermomimetik nennen und als Teil der Pathopraktik betätigen, den magischen Musikwirkungen auch längst vergangener Epochen dabei immer dicht auf der Spur.

So auch hätten wir, immer in der Leitschiene unseres Krankheitsbegriffs, unsere durch Thermomimetik aktiv und insofern real gemachte und absolute Phantasie anstrengen müssen und hätten Techno erfinden müssen, um Krankheit und Wärme eben daran zu vergegenständlichen, um uns nicht in falschen Überlieferungen vergegenständlicht zu finden, wenn es zum Glück auch Techno nicht schon einmal gegeben hätte. Thermomimetik ihrerseits ist der Vergegenständlichung durch andere enthoben, unverfügbar, wie schon eingangs bemerkt, umso besser aber erkennbar in den als Spuren hinterlassenen Wirkungen und Auswirkungen im Stoff, wie der Stempelabdruck auf dem Papier.

Inzwischen ist wohl hinreichend deutlich, daß wir niemandem, vor allem nicht den Techno-Leuten, die Krankheit einreden wollen, ohne die es sowieso keine Normalität gibt. Das gilt erst recht bei der folgenden Erörterung des Paranormalen.

 

III

Paranormalität ist ein inzwischen veralteter Ausdruck. Leute, die krank wenigstens nicht erscheinen wollten, aber dennoch ganz besondere Wirkungen auslösten, mußten sich früher damit behelfen, als paranormal zu gelten.

Gerade im Musikbetrieb war das Paranormale oft ein Markenzeichen. Es gab Teufelsgeiger (Paganini), Teufelstrillersonaten (Tartini), beim Fahrenden Volk mußte der Teufel irgendwie mit im Spiel sein (sogenannte Zigeunermusik), und Jacques Offenbach mit seinen Operetten sollte mit dem Teufel direkt paktiert haben, und daher die vielen Todesfälle, Theaterbrände und dergleichen, überall dort, wo irgendetwas von Jacques Offenbach aufgetaucht war, und sei es auch nur sein Name in irgendeiner Zeitung. Orpheus in der Unterwelt der Titel einer seiner erfolgreichsten Operetten und Orpheus selbst im Altertum mit seiner Leier, so geht die Sage, hat Tote wieder lebendig gemacht, kein Unglück an sich, obwohl Eurydike seine Eheliebste; Bestien besänftigt, Steine zum Tanzen gebracht, und Orphée (auch Orpheo Negro), erst einige Jahrzehnte zurück, war und blieb prompt ein Kultfilm.

Wunden konnte man mit Musik darüber in unverhältnismäßig kurzer Zeit wieder schließen, Verletzungen zum Vernarben bringen, und der Ischias-Schmerz vom Hexenschuß verschwand durch Flötenspiel, und zwar am besten dann, wenn die Flöte dort gespielt wurde, wo am Körper der Einschußkanal besagten Hexenschusses in unmittelbarer Nachbarschaft zu vermuten war. Alles was cantatio hieß im Lateinischen oder cantare, carmen oder epode, war als Gesang zugleich Zauberei, im Volk des frühen spanisch-christlichen Mittelalters noch selbstverständliche und ständige Übung und nur seitens der (pseudo-)materialistisch-arabisch beeinflußten Ärzteklasse war diese heile-heile-Segen-Zauberei (Relikt für Kinder und Faschingsumtriebe noch heutzutage und hierzulande) abzulehnender heidnischer Zauberbrauch, doch gleichwohl von ihnen empfohlen und wohl auch praktiziert, aber unter anderem Namen (Kümmel, 1977). Wer dringend der Musik bedurfte, mußte demnach krank sein oder wenigstens sich selbst oder anderen so vorkommen. Der Musikalität auf seiner Seite bedurfte es nicht und es war weder erforderlich, selbst singen zu können, noch selber ein Instrument zu spielen. Krankheit genügte vollauf. Und auch auf Seiten der dargebotenen Musik waren die Besonderheiten unbeachtlich, indem traurige Melodien einen kranken König genauso aufheiterten wie freudige. Es sei denn, es lag jemand mit Zustand nach Schlaganfall schwer bewußtlos darnieder und größte Anstrengungen, bestehend aus Pauken, Trompeten, Blech, Küchengerät und ein Aufgebot an möglichst vielen "Musizierenden"(!) erwies sich als nötig, ihn vom Tod wieder aufzuwecken, wachzuhalten, und zwecks tunlicher Vermeidung erneuter Todesgefährdung-im-Rückfall mit allen musikalischen Mitteln dafür zu sorgen, daß der Todkranke nicht zur Ruhe kam.

Ging der Zauber diesem allem zufolge von der Krankheit aus oder von der Musik? Im Nachhinein ist das schwer zu entscheiden, aber soviel bleibt immerhin als gesichertes Wissen, daß die Musik ohne Krankheit im Spiel, höchstens andernorts spielte und auch dort war durch Krankheit und durch sie allein wenigstens für den Vorwand, wenn nicht für den Anlaß gesorgt, den Zauber walten zu lassen.

Heute gibt es zu jeder Krankheit die passende Droge, genannt Medikament, so geht die Rede, aber seit Bachs Zeiten (Goldberg-Variationen) scheint kaum mehr jemand versucht zu haben, zu dem ins Riesige angestiegenen Diagnosenschema die jeweils passenden Musikstücke zu komponieren oder auch nur aus dem riesigen Aufgebot an Kompositionen mittlerweile, das richtige Stück, passend zu den Besonderheiten der jeweiligen Krankheit, treffsicher herauszufinden. Der Krankheit wird demnach noch heute ganz latent die Zauberkraft unterstellt sich anzupassen, auch an die jeweilige besondere Musik, und bezüglich der Zauberkräfte in Sachen Wiederanpassung an die herrschenden Verhältnisse ist alle Hoffnung umstandslos von der Musik auf die Drogen übergegangen, Heilmittel genannt, auch als chirurgischer oder sonstiger Eingriff.

War in früheren Zeiten der Krankheit noch jede Zauberwirkung aus der Patientenklasse zuzutrauen, sogar mit Hilfe von Lyra-Musik (Orpheus) und Unmusik aus Hausblechlärm (Schlaganfall) Tote lebendig zu machen, und eine der Zauberwirkung verschlossene Domäne der Krankheit bildete höchstens noch der direkte und vorsätzliche revolutionäre Aufstand, dann hat sich auch dies aus Sicht der Ärzteklasse, ihrer Helfer und Helfershelfer, durch das Sozialistische Patientenkollektiv (1970/71) erstmals gründlich geändert. Seitdem steht öffentlich und unaustilgbar fest, ein für allemal, daß Patienten kraft Krankheit revolutionäre Prozesse nicht nur auslösen, sondern auch überdauern, statt nur Drogen, Eingriffe und Wiederanpassungsversuche kraft Krankheit und ihrer Zauberwirkung zu  überstehen und zu überwinden.

Nachdem auch die Ärzteklasse die revolutionäre Krankheitskraft gezielt zu spüren bekommen hat, ist anzunehmen, daß sie nicht zu Unrecht fürchtet, die Krankheitskraft könnte einmal mehr ihr aus der Kontrolle geraten und ins Revolutionäre umschlagen. Vielleicht gibt sich nicht zuletzt deshalb die Ärzteklasse, die Drogenklasse schlechthin mit ihren Helfern und Helfershelfern in Staat und Polizei samt Massenmedien deshalb so besorgt um den Drogen- und Musikmißbrauch auch bei Techno-Leuten. Die unterstellte Verflüssigung ihrer Muskeln* und Lebern, Transplantationen heischend, und Folge ihrer Sucht nach Überhitzung, wer weiß? Nirgendwo, auch nicht bei den Techno-Leuten hat die Ärzteklasse die zur Norm gewordene Krankheit noch im Griff und in der Kontrolle, es sei denn sie diagnostiziert bei Einzelnen Krankheiten, Abnormes oder wenigstens Paranormales. In Gefängnis und Klinik, zuhause und am Arbeitsplatz reicht dies völlig, die Einzelnen unvermerkt fix und fertig zu machen, unvermerkt, denn der Arzt als der in Wirklichkeit Hauptverantwortliche und Letztverantwortliche gilt als besser denn Staat, Regierung und Reporter, und seine Hilfe als die eines Menschenfreunds. Aber hat man schon einmal einen Menschenfresser gesehen, der seine Opfer nicht gern hat, zum Fressen gern hat?

*Vor Muskelverflüssigung etc. warnen Medizinprofessoren im Fernsehen. Sie meinen damit Muskelschädigungen durch Drogen und Streß beim Techno, die im übrigen weithin schon bekannt sind aus populärwissenschaftlichen Darstellungen in Illustrierten, meist im Zusammenhang mit Sportmedizin, Abspecken usw. Nach dem Mißbrauch des Muskelsystems zu Zwecken der Systemerhaltung in den heutigen iatrokapitalistischen Verhältnissen mit Krankheit als Normalzustand ist dabei selbstverständlich nicht gefragt.

Unterstellt, daß die magische Wirkung  im früher paranormal, heute oft auch außersinnlich Genannten (ESE, extra-sensorial effects) von Krankheit ausgeht, die ihnen nicht nur zugrunde liegt, sondern die sie in ihrem Hereinwirken aus der Zukunft als Gattungsvorschein sowieso schon ist, eine Auffassung die, nebenbei bemerkt, künftiges Karma als schon im jetzigen Leben realisiertes und zu realisierendes vorwegnimmt und damit jeder überlieferten Karmalehre grundsätzlich widerspricht, unterstellt also, daß Krankheit und sonst nichts, im Guten wie im Bösen der ganze Zauber ist, dann erscheinen auch die bekannten Zwischenfälle bei Satan-Bands (z.B. Graham Bond, Rolling Stones, Can, unfreiwillig) und auch die Starkstromunfälle bei der Einführung der Elektro-Gitarren in den fortschrittlichen Musikbetrieb, im letzten Fall allerdings mehr und hauptsächlich die aus Reklamegründen dazu erfundenen Gags, wie zum Beispiel die Auflösung von Instrument samt Spieler in den Bühnennebel, noch in einem ganz anderen Licht.

An Hexengeschichten wird sich leicht gewöhnt und, wie gezeigt am Beispiel Jacques Offenbach, genügen einige wenige Jahrzehnte, und schon sind sie völlig integriert, und nach gehabter literarischer Aufarbeitung und Konsumierung werden sie langweilig, erscheinen altväterlich, wirken, vor allem bei den späteren und jüngeren Generationen vielleicht sogar lächerlich, bleiben jedenfalls folgenlos. Als Bestandteilen des Negativen ist ihnen im allgemeinen Bewußtsein, aber auch nur im Bewußtsein die Ahnung beigesellt, daß das Negative gegen das Bestehende in seiner bloßen Gesetztheit, Positivität, das Negative als gesetzt seinerseits, sozusagen ganz gesetzmäßig die stärkere Kraft hat, das Bestehende und Herrschende jedenfalls zumindest in Zweifel ziehen könnte, wenn nicht gar erschüttern und zum Einsturz bringen.

Schon im griechischen und römischen Altertum, bei Plato und Aristoteles zumal, wird der Musik die negative Kraft zugeschrieben, bei unkritischer und unvorsichtiger Verwendung Staaten zum Einsturz bringen zu können, Menschen, vor allem Kinder ins Verderben zu führen. Überflüssig, auf die übertriebenen Zensur- und Kontrollmaßnahmen gegenüber Ausübenden der fortschrittlichen Musik in der Gegenwart besonders hinzuweisen: diesbezüglich gezielte Programmvorschläge der CIA, Heilsfront-Attentate gegen algerische Popsänger, aber auch die Hellhörigkeit und Störanfälligkeit der sogenannten Sozialen Kontrolle, die in Wirklichkeit ausschließlich nach ärztlichen Vorgaben funktioniert, hierzulande und sonstwo derzeit. Aber liegt dieser beunruhigende Zauber wirklich in der Musik, wenn doch die Gewöhnung an das darin zunächst als negativ Empfundene durchweg nur die Sache von Monaten, Jahren oder Jahrzehnten ist und altehrwürdige Philosophen wie Plato und Aristoteles, läßt man die von ihnen verteufelten Instrumente heute auf sich wirken, damals gefürchtete Kriegswaffen sogar, einfach und allerhöchstens nur noch erheiternd, wenn nicht lächerlich wirken, geeignet, nicht gerade das beste Licht auch auf die übrige Philosophie und vor allem Staatslehre besagter und anderer Denker zu werfen.

Weder die Musik noch die Unmusik, sondern die Bejahung der Krankheit, das Pro-Krankheit-Sein als des mit allem Nachdruck abzulehnenden Negativen ist das Problem, das grundsätzlich unlösbare Problem der Ärzteklasse in ihrem Bestreben, mit aller Macht und mit allen, auch außermedizinischen Mitteln, ihr Fortbestehen abzusichern. Und sie, die Ärzteklasse, ist der systematische Ort, der Ort im System der herrschenden Verhältnisse, in dem die Beunruhigung auch über die Musik ihren Grund hat, von der die Verfolgungsmaßnahmen ausgehen und um deretwillen diese durchgeführt und ohne Rücksicht auf Sonstiges letztlich durchgesetzt werden. Musikliebend und hedonistisch ist ja gerade auch und nicht zuletzt ganz besonders die Ärzteklasse mit ihrem humanistischen Bildungsanspruch, und noch über das Mittelalter hinaus konnte niemand zum Arzt promovieren, der nicht mindestens 18 Lehrgangsstunden musikalischen Intensivunterrichts vorzuweisen hatte.

Hedonismus und Stoizismus sind in der Ärzteklasse bis in die jüngste Zeit als Ideale verkörpert und am Wirken in der Weise, wie sie etwa in dem seinerzeit berühmten Motto der SS zusammengefaßt waren: Das Leben lieben und den Tod nicht scheuen. Epikureisch-Hedonistisches an Lebens- und Sinnesfreude kommt in diesem Spruch genauso zum Ausdruck wie die stoisch-christliche Körperfeindlichkeit. Musik und Unmusik begleiten die Ärzteklasse, und sie macht das für sie beste daraus, nämlich die Positivität absoluter Machtwaltung in einem schönen und eurhythmischen Leben (Debussy) und die stoische Körperfeindlichkeit verhilft sich als Masseneuthanasie zu Recht und Gesetz.

Es liegt schon in der einfachen Dialektik des Hedonismus ganz allgemein, aus einem Streben nach Lust in einem bestmöglichen Leben für alle vor dem Tod durch Gewöhnung, Bedürfnis nach ständig zu steigernden Anreizen krankheitsnahe in Abstumpfung, Langeweile, Schmerz und Ekel umzuschlagen. Die Ärzteklasse mit ihrem Hedonismus kann daraus Nutzen ziehen, indem sie die Krankheit ausbeutet, die Krankheit der andern, die Krankheit der Patientenklasse. Dieser hingegen, in einer künstlich verknappten Welt, bleibt nach der Lust und dem Rausch nur noch das große Kotzen als Dauerzustand und vom Epikureismus gar nichts, außer dem der Jackerklasse und ihrer Schadenfreude hinter vorgetäuschtem Verständnis aus eigener Erfahrung in tatsächlich aufrecht zu erhaltendem Luxus und Wohlleben, und sei es neben dem schweren Dienst am Nächsten auch nur für die Zeit des leider viel zu knapp bemessenen Urlaubs und der Flugkarte ins neue Jerusalem, einer interplanetaren besseren Welt, wie sie ein Leary mit seiner dem Selbstanspruch nach hoch- bis höchstwissenschaftlichen Intelligenz und seinem über jeden Mikro- und Makrokosmos hinaus erweiterten Bewußtsein träumt und mäßig literaturintensiv kündet. Wer nicht zu dieser hedonistischen Elite gehört, nur Teil der Bewegung ist, wird eben als Masse geopfert, bleibt als zurückgeblieben auf der Erde zurück.

Als Hedonisten haben die Leute vom Fach der fortschrittlichen Musik demnach von der Ärzteklasse, ihren Helfern und Helfershelfern erst mal wenig zu fürchten. Als Einzelne und Vereinzelte, die tief in der Krankheit drinstecken allerdings. Und besagte Jackerklasse hat von dieser Seite her noch viel weniger zu fürchten, außer dem Zustrom an "Menschenmaterial", geeignet ihr materialistisch-hedonistisches Wohlleben zu fördern und zu bestätigen. Obwohl von der Krankheit her bestimmt, als der Grenze ihres dialektischen Umschlags, an dem der Hedonismus zuende ist, Lust, Freude und Rausch nur noch vergangene Träume und Erinnerung sind, muß das programmierte Scheitern des Hedonismus folgenlos bleiben, denn das Negative als Krankheit bleibt hier weiterhin formales, abgewiesenes, wenn auch grundsätzlich vergebliches Zurückweisen der Unlust und ebenso folgenloses Bejahen einer Lust, zu der es nicht mehr kommt. Wir sind immer für das Hedonistische, und nicht nur im Zweifelsfall, aber für das Hedonistische so, wie es im Pathopraktischen enthalten ist. Den Hedonismus von der Krankheit her zu verstehen, und die Revolution aus Krankheit entstehen zu machen, ist ein Unterschied wie Tag und Nacht. Es ist also auch hier, wie überall, wo es weitergehen soll, die Ebene zu wechseln, also das Plateau.

Die krankheitsbezogene Ebene ist, mit Krankheit im Stoff, Stoffwechsel in jeder Krankheit, jede Krankheit Stoffwechselkrankheit, Entfremdung Gattungsentfremdung in der Stoffentfremdung einer allgemeinen Fremdkörperhaftigkeit und durchgängiger Unverdaulichkeit alles Bestehenden gegenwartsbezogen, zukunftserfüllt und vergangenheitsenthoben, Vergangenheit als der Stoff, in dem Krankheit die bleibende Spur ihres Verschwindens hinterlassen hat; denn Krankheit, mit allem was hinzukommt, insbesondere der Revolution aus Krankheit, und daher auch der Name Zukunft, nachweisbar noch an Jahrtausende alten Skelettbefunden (wen interessiert das heute noch warum?), hinterläßt ihre Spuren auch im Verschwinden eines durch neuere Entwicklungen überholten Musik- und Sprachbetriebs als vollendete Tatsache, nicht ungeeignet, gar manchem noch lange weh zu tun. Weil es Gattung auch in den ursprünglichen klassenlosen Gesellschaften noch nicht gegeben hat, denn sie ist auch heute noch sozusagen Zukunftsmusik, als Utopathie, wie wir sagen, mit Bezug auf das Gesamt der Menschheit, war schon damals die Krankheit das Zauberkräftige. Hunger verschwand als Hungerkrankheit, folglich als durch Krankheit überwundener Hunger , und die Spuren seines Verschwindens sind noch heute an den kleinwüchsigen, mißgestalteten Skeletten genauso nachweisbar wie bei den iatrokapitalistisch unterentwickelt gehaltenen Skelettfunden in der Gegenwart. Das gilt für jede Sorte naturbedingten, später dann nach der Klassenentstehung künstlich erzeugten Mangel; und seine jeweilige Überwindung als Krankheit, verbunden mit Umschmelzung der körpereigenen Grundsubstanz, hat jene Krankheitskräfte freigesetzt, die z.B. als Fieberphantasien, wiederverkörpert im eigenen Körper (wo denn sonst?) wärmekompressiv erzeugte Erschütterungen und Verlautbarungen hervorriefen, Stoffaktivierungen, geeignet somit, wie den eigenen Körper zum fremden, so den fremden zum eigenen zu machen, und ihn, den Mangel tilgend auch im Besonderen, scheinbar durch Zufall und Glück gelegentlich Aufgefundenen, zu assimilieren. In dieser oder in einer ähnlichen Weise könnte die Zauberkraft Krankheit damals das gewirkt haben, was heute Wunder oder wunderartig genannt wird. Es gab die Musik damals noch nicht, schon gar nicht als sprachlich vorprogrammierte, ganz so wie heute nicht mehr. Aber das aus heutiger Sicht so zu nennende Paranormale schon in den damaligen klassenlosen Gesellschaften gegenwärtig und noch heute entzifferbar in den Spuren seiner von der Krankheit hinterlassenen Auswirkungen zweifelt unseres Wissens niemand an. Zu allem was heute Unmusik oder Nullmusik genannt wird, dessen demgegenüber vergleichsweise bescheidene Endeffekte als "Trance" und "Ekstase" einer fusionierenden Masse aus Mensch und Maschine dennoch nicht geringzuschätzen sind, obwohl schon eine Art Wunder bei allem sonstigen Auseinander und Gegeneinander, gebrauchten wir, wie zu erinnern, dieselben Begriffe und nicht mehr und nicht weniger als zur versuchsweisen Darstellung des Zaubers in der Krankheit bei Urgesellschaften. Wir legen demnach auch in die Techno-Musik nicht mehr hinein, als was ohnedies drin ist. Dabei kommt es uns entscheidend darauf an, als Krankheit den Grund allen Zaubers auch in jeder sonstigen Musik zu orten, falls welcher drin ist. Vereinfachungstendenzen sind ja ein durchgängiger Zug in allen Sparten des Musikbetriebs, und aus Krankheitssicht ist keiner Sparte der Vorzug zu geben, sie heiße nun Techno, Klassik oder Pop, vorausgesetzt, sie aktiviert in Richtung auf Krankheit und Gattung, statt unter dem Druck elitärer Anforderungen der ohnedies bestehenden Passivierung, erkennbar noch im überstressigen geschäftigen Schädlicheres-als-gar-nichts-Tun, und der Zerstörung des ohnedies schon Vereinzelten und Verkrüppelten Vorschub zu leisten. Wer sich Wunder von der Ärzteklasse verspricht durch Fortschritte in Genetik, Eugenik und Euthanasie, oder sei es auch nur durch wissenschaftliche Aufarbeitung esoterischer Therapierichtungen mit ihren, wie es heißt, zumindest in Teilen überragenden Erfolgsbilanzen, der sollte aufpassen, daß er sein blaues Wunder nicht schon bald am eigenen Leib erfährt; und zwar in einer Atmosphäre und Umgebung, geprägt von patientenfreundlichster Muzak, ausgetüftelt von High-Tech Ton- und Bildteams aller Sparten auf dem letzten Stand eines nicht nur erweiterten und intensivierten Wissenschaftsbewußtseins als Helfer und Helfershelfer der herrschenden Jackerklasse, sondern auch auf dem Stand des Kerns der Nazi-Ideologie Krankheit durch Beseitigung ihrer Träger endzulösen, und dadurch auch nur den Gedanken an eine Gattung auch als dann zu Recht so zu nennende Menschheit erst gar nicht mehr aufkommen zu lassen. Dieser Sorte Fortschritt stellen wir uns in den Weg, allerdings, und auch und gerade in Sachen Musik, einer alles andere als unpolitischen Kategorie.

Mit diesen Bemerkungen soll nur das Allernotwendigste festgehalten sein zum Thema manipulativer Gebrauch der Musik, ein Thema, zu dem viel Brauchbares zwischen noch mehr Überflüssigem in vielen mittlerweile erschienenen Büchern und Publikationen nachzulesen ist.

Ihr seid die Politischen und wir sind die Musik-Freaks,
laßt uns doch in Ruhe mit Eurer Krankheit,

nein, so einfach ist das nicht. Auch wir haben mit der gängigen Politik nicht das Geringste am Hut; aber wer sich in die Musiknische zurückzieht und Krankheit draußen läßt, dem kommt sie unversehens über den Hals und spätestens beim Arzt ist er dann Teil der Quelle jener Politik, vor der er sich zuvor in seine Lieblingsmusik geflüchtet hat.

Was wäre zu tun? Auf dem Sektor Musik, und gerade hier, wie kaum irgendwo sonst, ist es möglich, umstandslos die Fremdmanipulation durch Selbstmanipulation zu ersetzen: die Baßbeats aufgrund der Wärmekompression sind Auslöser und beste Gelegenheitsbedingungen im vormusikalischen und vorsprachlichen Raum der Krankheit auf Umstrukturierungen hinzuwirken, die alles Verstofflichte und Verkörperte gegen den Strich beeinflussen, das Erdmagnetfeld, Träger aller Fremdbeeinflussung unterlaufen, schneller als die Lichtgeschwindigkeit, weil thermomimetisch immer schon vor Ort. (Wärme alles andere eher als eine neue Energie, fehlt eine, oder ist nicht eine schon zuviel Hirngespinst?!).

Krankheitsgewißheit ist nach allen Voraussetzungen in Gattung und klassenloser Urgesellschaft zugleich Wundergewißheit. Nicht überall dort, wo die Musik spielt, ist der Raum der Krankheit eröffnet, aber überall, wo die Thermomimetik Gelegenheit erhält, aktivierend einzugreifen, ist revolutionäre Umwälzung zwischen Lärm und Wärme, Licht und Nichts, auch als Musik noch ganz anders bei der Hand.

Es fällt vielleicht auf, daß wir keine Unterteilungen vornehmen in musikalisch und unmusikalisch, professionell und dilettantisch, absolutes Gehör und relatives Gehör, Trommelmusik, Blechmusik, Streichmusik, Blasmusik, Radiomusik, Filmmusik, Sphärenmusik und Kakophonie. Es fehlt gleichermaßen jeder Ansatz, zwischen Gefühl und Empfindung, Wahrnehmung und Denken, Geist und Stoff zu unterscheiden, zu unterscheiden auch zwischen physischem Leib, Emotionsleib, Empfindungsleib, mentaler Ebene, spiritueller Ebene, Atman, Buddhi, Manas, Ich, Astralleib, Ätherleib, physischem Leib und den zugehörigen weltlichen und überweltlichen, samt den unterweltlichen Plänen und Ebenen wie Astralplan, Devachanplan, ätherischem Plan, physischem Plan. Wir haben auch den Unterschied zwischen Atomstrom und Solarstrom vernachlässigt. Sogar die Astrologie, die wir als Astropathie und Pathastrie in jahrzehntelanger eifriger Anwendung zunehmend zu schätzen gelernt haben, in überlieferten Musiktheorien unverzichtbar, und sei es auch nur der Vollständigkeit halber, haben wir doch glatt übergangen.

Kaum etwas von all dem darf andernorts fehlen, wenn es um die Zauberwirkung der Musik und um Versuche geht, diese zu "erklären". So erfährt man beispielsweise, daß die alten Ägypter unter anderem mit dem Drittels-Ton gearbeitet haben so lange, bis der Emotionalkörper sich vom physischen Körper getrennt hatte, das heißt gefühllos war wie beispielsweise ein eingeschlafenes oder narkotisiertes Bein, und unter der starken magnetischen Anziehung des physischen Körpers wollte das Gefühl, beziehungsweise der durch den Drittels-Ton narkotisierte Mensch, unbedingt wieder in seinen Körper zurück, angezogen mit unwiderstehlicher "Magnetkraft" von letzterem, wie ausdrücklich die Rede geht, wie das Leben in das eingeschlafene oder narkotisierte Bein. Der Drittels-Ton war es also, der in den Händen und gespielt von ägyptischen Priesterärzten, dem Objekt besagter Experimente zum Bewußtsein verhalf, daß mit dem Tod das Leben nicht zu Ende ist, und daß man als Mumie das Glück hat, verkörpert weiterzuleben an Ort und Stelle, solange die Mumie nicht zerfällt.

Die alten Inder sollen Ähnliches erreicht haben mit dem Viertel-Ton , wenn es dieser Ton war, der hauptsächlich die Musik machte, allerdings zum Zweck, den Samadhi-Zustand für eine gewisse Zeitspanne zu erreichen, und zwar durch Ausschaltung der Mentalsphäre mittels des Viertel-Tons, wie gesagt.

Die Griechen hatten es in analoger Weise mit dem Halbton zwecks orgiastischer Aktivierung der Körpersinne bis hin zur Trübung beziehungsweise Ausschaltung des Bewußtseins.

Es ist möglich, sogar auf dem Klavier spielbare Stücke zu komponieren, in denen unter Ausnützung der etwaigen Vierteltonschritte zwischen E und F und H und C (auf der Klaviatur fehlen hier die schwarzen Tasten, die Halbtöne) bei geschickter Verteilung zwischen rechter und linker Hand, alles selbstverständlich viel leichter und durchgängiger zu machen im Orchester, Effekte zu erzielen mit noch ganz anderen Auswirkungen in den verschiedenen Plateaus einer solchermaßen gespaltenen Welt, mit noch ganz anderen Rückwirkungen auf den Organismus in seiner Aufteilung nach Ebenen und Schichten, wie angedeutet, als bei den inzwischen völlig passivierten Indern außerhalb des Samadhi-Zustands auch nur im Traum zu ahnen. Der russische Komponist Skrjabin, unwissend um die genannten Zusammenhänge, kein "Eingeweihter" jedenfalls, soll dergleichen Veranstaltungen getroffen haben, und auf eine auch für Eingeweihte unerklärliche Weise trotz aller nur denkbaren ärztlichen Hilfe an einem schlichten Furunkel gestorben sein.

Warum wir dergleichen Scherze in dem vorstehenden Text unberücksichtigt gelassen haben? Weil Krankheit die Zauberkraft ist, und eben nur insofern vielleicht auch die Musik. Das macht die Sache nicht einfacher, aber die Suche nach bestätigenden Hilfen in der Vergangenheit, wie auch im heutigen Musikbetrieb überflüssig. Aber es erleichtert um vieles, allein schon mit Wärme als Negation der Schwerkraft im Stoff. Kein Wunder also, diese schmelzwarme Leichtigkeit im Text und Kontext Krankheit. Wie war doch nochmal gleich das Thema? Ja, ganz richtig:
Auch in der Musik / Krankheit bleibt der Kick.

IV

Zusammenfassung und Ausblick

Ein ungewöhnlicher Ansatz, als ungewöhnlich erkennbar schon im Komprimat der 9 Thesen darüber, im Voraus verteilt und Reaktionen dazu eingeholt. Die Reaktionen waren überwiegend positiv, wenngleich in geringeren, aber interessierten Teilen nicht ganz uneingeschränkt positiv. Aufgefordert, zur Frage Krankheit, Musik und Drogen Stellung zu nehmen, war damit die Erwartung verbunden, zu einer auch theoretischen Klärung auf diesem so neuen wie noch undurchsichtigen Sektor beizutragen. Wir sind mit einem für viele noch völlig ungewöhnlichen Ansatz, wie schon festgestellt, für uns aber seit spätestens 1978 (Iatroklasie*, usw.) in Sachen Musik geläufigen Ansatz versuchweise der uns gestellten Aufgabe gerecht geworden. Es ist schwer, sich umzugewöhnen, und ein ungewöhnlicher Ansatz ist keine Erleichterung, kann er doch, wie auch immer, nur einen ersten Eindruck vermitteln.

*Meint hauptsächlich unsere wurzelgreifende, alles Ärztliche verüberflüssigende Tätigkeit, die bisher noch gerade in der unterdrückten Klasse (Signifikat) weithin so virulente, wie falsche und zerstörerische Sinngebung, de facto und de jure herkömmlich aus der herrschenden Klasse (Signifikant), im Resultat: Differentialeuthanasie und Ausmerze durch Computer-Selektion und Gentechnik, rund um die Ausdrücke 'Gesundheit', 'Heil', 'heilig' und 'fit' zu zerbrechen (vergleiche auch Il Tempo Imperfetto, Claudio Mutini, Giorgio Patrici, Bulzoni Editore, Rom, 1996; Sartre 1972 in: Vorwort zu SPK - Aus der Krankheit eine Waffe machen). Meint aber auch und insbesondere unsere diesbezügliche Schrift: Iatroklasie in: SPK Dokumentation IV.

Wir haben den vorliegenden Aufsatz mit einer Anspielung auf das Kommunistische Manifest von Karl Marx eingeleitet, erfuhren aber erst hinterher, daß auch andere denselben Hinweis gern einbauen, wenn es um Techno geht, Akzent auf Gespenst, und der zugehörige Rest samt Kommunismus, wenn überhaupt erwähnt, bleibt unerörtert.

In der Exposition unseres Ansatzes haben wir die differente Relation zwischen Krankheit als tragendem Grund und Musik und Sprache als diesbezüglichen Abkömmlingen, man könnte auch sagen: abhängigen Variablen, aufgewiesen, Musik und Sprache in Orientierung an überlieferten funktionellen und vor allem neurophysiologischen Denkvorstellungen; Krankheit, weil anders nicht zu fassen, mit Hilfe einer zum Zweck ("Musik") konstruierten dialektischen Tetrade, oder wie wir sagen: in der Weise der Diapathik.

Auf Seiten der Empirie verlagerten wir den Schwerpunkt unserer Argumentation auf die fusionierenden Baßbeats, wie überhaupt auf Umschmelzungsvorgänge, daneben auf die massenfreundliche Dilettanz der in Rede stehenden Musikrichtung. In Reaktion auf unser Thesenflugblatt besteht Einhelligkeit und Akzeptanz vor allem bezüglich der Baßbeatwirkung im Zusammenhang Wärmekompression, weniger bezüglich der beiden anderen Komponenten*, in spezifischer Hinsicht Techno.

*Die Wärmewirkung infolge der Kompression der Körpermaterie durch die Druckwellen des Baßbeats hat den vorab Befragten mehr eingeleuchet als die Wärmewirkung des Dauertanzens und die Wärmewirkung der Ecstasy-Drogen (bei eingehender Erörterung während und nach der Veranstaltung erstreckte sich die Zustimmung zunehmend und unterschiedslos auf alle drei Komponenten).

Im zweiten Teil des vorliegenden Aufsatzes, im Anschluß an die Exposition des Themas, d.h. also in der Durchführung, hatten wir uns die Aufgabe gestellt, unsere Behauptungen als unbeweisbar zu widerlegen, bzw. sie mit Hilfe dieses Stilmittels umso deutlicher hervorzuheben, um dadurch der Aufgabenstellung, etwas zur auch theoretischen Klärung beizutragen, möglichst zu entsprechen.

Wir haben dabei manches bewußt überzeichnet dargestellt, anderes sehr verkürzt, z.B. Hegel um seine der Sache nach höchst interessante Religionsphilosophie; vernachlässigbare Versäumnisse, wenn überhaupt solche, weil bezüglich der Ergebnisse in diesem 2. Teil des Aufsatzes und überhaupt belanglos.

Der 3. Teil handelt von der Zauberkraft als Krankheitskraft im Kontrast zur noch immer gängigen Musikauffassung. Paranormale Wirkungen werden kursorisch als nicht mitteilungsbedürftig, weil immer schon krankheitsbegründet, stoffwärmebezogen in ihrem Gegensatz zu elektromagnetischen Erdfeldwirkungen aufgezeigt. Die Frage, was zu tun sei, wird nicht nur beantwortet, sondern überhaupt gestellt, und zwar im Blick auf den iatrokapitalistischen Musikbetrieb, verwaltet durch die Jackerklasse, klassenlos zu machen im neurevolutionären Prozeß der Umwälzung aller sozialen und kosmischen Verhältnisse auf die in Vielheit und Mannigfaltigkeit einheitliche Gattung Mensch.

Der vorstehende Aufsatz ist, außer als Kommentar zu den vorausverschickten 9 Flugblatt-Thesen als eine Art vorbereitendes Kurzlehrbuch gedacht und gemacht, geeignet für schon Eingearbeitete als Leitfaden in der öffentlichen Veranstaltung am 23.7.1995 in Heidelberg, getragen und in Auftrag gegeben von der Hedonistischen Bewegung Speyer.

Für uns selbst hat die Ungewöhnlichkeit unseres Ansatzes insgesamt schon eine Menge vorher nicht immer schon erspürter Betätigungsräume erschlossen, die selbst zu betreten wir niemandem verwehren können. In der Patientenfront ist von Aktivierung und einer intensivierten Interessenlage am Thema Musik die Rede, seit dieser Aufsatz in Fertigung ist.

Auch Vorträge und Vortragsdiskussionen sind noch immer eine angenehme Unterbrechung für uns, mehr nicht, mehr nicht. Zuallererst aber kommt es darauf an, zu tun und zu veranlassen, was wichtig ist; nicht was richtig ist: überflüssige Streitereien.

 

Zur Veranstaltung am 23.07.1995 erinnernd darzulegen

Thesen:

Auch in der Musik
Krankheit bleibt der Kick

  1. Zuallererst Krankheit und Revolution, statt Musik und Drogen und dann Krankheit und Schluß damit.

  2. Die Musik hat abgedankt, ohne zurückzutreten, die Musik samt Musikern, Musikwissenschaftlern, Musiklehrern und Musikinstrumenten, seit Techno dran ist.

  3. Techno steht für eine Umwälzung, also für eine Revolution der Musik auf ursprüngliche klassenlose Zustände, auf Zustände, in denen Musik noch frei verfügbare Krankheitskraft war, lange bevor die Klasse der Priesterärzte sie gleich den Drogen in Religion und Mystik kanalisiert, dem Tod und der Schinderei überantwortete, statt der notwendigen dauernden Revolutionierung aller Verhältnisse kraft Krankheit.

  4. Aus dem was früher Musik war und aus allen fortbestehenden Süchten, und niemand ist frei davon, ist eine Krankheitskraft zu entwickeln, die mit einer der Tierwelt vergleichbaren Instinktsicherheit eine selbstregulierte Weltgesellschaft hervorbringt, zum ersten Mal die Gattung Mensch; Tiere und Pflanzen können das seit Urzeiten mit und ohne Musik. Nach dem Untergang der Musik ist auch für Menschen hier freie Bahn.

  5. Es gibt keine Musiktherapie. Revolution ist die einzige Therapie.

  6. Es kommt nicht auf die Schädigungen an durch die Droge Musik, und nicht auf die Schädigungen durch die Droge als Musik. Lärm, Ton, Klang, Geräusch, samt Rede und Gesang, sind nebensächlich. Hauptsache in der unumkehrbar stoffentfremdeten Welt der allgemeinen Krankheit, die alle in sich tragen, ist die stoffwechselnde Betriebswärme , das Musikfieber sozusagen, die Betriebswärme, ohne die kein
    (Akustik-)Generator auch nur anläuft, das wenn auch noch so minimale Fieber, ohne dessen krankheitskräftige Abwehrwirkung kein Spurenelement Nahrung, Droge, Atmosphäre, auf Dauer noch verdaulich ist, das so besagte Musikfieber, das thermomimetisch Massen in tierisch helle Begeisterung versetzen kann, bis hin zur MFE-gebündelten Auslösung kosmisch-sozialrevolutionärer Bewegungsstürme, Musik nur noch in den Ohren vielleicht der Cherubim, falls diese welche brauchen.

  7. Bewußtsein und Bewußtseinserweiterung gehören in den noch fortbestehenden Musikbetrieb. Es geht auch in all dem, was Musik schon einmal gewesen ist, heute und künftig nicht mehr um Spiritualität, Bewußtsein in Bewußtseinserweiterung, nicht mehr um Magie und Mystik, auch nicht und schon gar nicht um Wissenschaft, und sei es auch nur Musikwissenschaft. Es geht um Gewißheit, um Krankheitsgewißheit und deren Kräftigung und Ausbreitung mit dem Ziel, die Gattung Mensch zum ersten Mal herzustellen, mit dem Zweck, dem Mißbrauch der Krankheitskräfte durch die Ärzteklasse in jeder Herrschafts-, Unterdrückungs- und Ausplünderungsform ein Ende zu setzen, gleichgültig wie weit immer noch weg vom endgültigen Schlußpunkt. Jedes andere, noch so spirituelle und erweiterte Bewußtsein, zu dem man zu allem Medienüberfluß auch sonst noch was erfährt und weiß, macht niemanden mehr heiß, niemanden mehr heiß genug, den sprichwörtlichen Krebsgang umzukehren, geschweige denn die Krebsabwehr in die eigenen Hände zu nehmen.

  8. Ohne Kränkung keine Revolution. Das gilt aktiv und passiv. Habt Mut, Musik zu machen, je falscher desto besser, je kranker desto lieber, lärmender und länger. In Seuchen und Kriegen das beste Mittel zur Feindabwehr. Die Flagellanten mit dem Veitstanz im Mittelalter, die Bauernkrieger, die Tarantella-Spieler (Spinnengift ist auch eine Droge) haben sich sogar gegen die hohe Geistlichkeit damit durchgesetzt, und gegen Behörden ist die Blechmusik eine zeitweilige Hilfe, sogar noch in den Händen der Heilsarmee, während die Klänge aus Richard Wagners Walkürenritt über Vietnam noch heute in der Luft liegen, und den verunwerteten (invalidisierten) Hubschrauberpiloten in den Knochen.

  9. Die Grenzen der Musik sind überschritten. Das Gegenteil der Musik ist nicht die Stille, sondern die Wärme, hörbar gemacht und sich Gehör verschaffend. Zur Fortpflanzung im Schall kommt durch die Wärme die verschmelzende Umpflanzung im Stoff. Schwerelosigkeit und Ungetrenntheit - - : ist das nicht auch die Sehnsucht als Sucht, gesucht in der Wunderdroge und gleichermaßen in der Chemie als Droge Musik, zu finden aber nur im Gattungsvorschein, dessen Träger seit Techno als einem ersten, aber immerhin schon wenigstens klassenfreien Ansatz zwar dem Namen nach noch Musik heißt und wohl auch noch lange so gehandelt wird, aber der Sache nach, so geht die Rede unter Freunden, insbesondere aber unter Gegnern, mit Musik nicht das Geringste mehr zu tun habe.
    Als Teil von Pathopraktik und Thermomimetik ist sie durch ihre Verbindung mit Krankheit dem Modeveralten aller sonstigen Waren grundsätzlich entzogen und ihr bislang so einmaliger wie sporadischer Bruch nicht nur mit dem System der alten Musik, bleibt dem sonst nur als Summe der Einzelkrankheiten in Erscheinung tretenden Gattungsvorschein erhalten.

                                                                            30. Juni 1995

Huber SPK/PF(H) WD, Dr.med., 4 ½ Jahre E.H., 22 Monate I.F., erster § 129er, Chefbandit, Bombenbastler, Paßfälscher und seit 1954 staatlich geprüfter Musiker.