Die Lage der Welt ist Krankheit. Was tun?

Nicht erst nach den Nostradamus-Kriegen wird in den verstrahlten und mumifizierten Regionen Krankheit zum Wichtigsten geworden sein.

Nicht für Ärzte, sondern ganz im Gegenteil, nämlich zur unabweisbaren Forderung, alles, aber auch alles zu revolutionieren, zum ersten Mal richtig, sofort, also Revolution in einer und in jeder Generation, und zwar für alle Beteiligten, und nicht zwecks Weltverbesserung oder zwecks Verbesserung irgendwann, sondern im ständigen Bezug zur utopathischen Gattung: Menschen wie nie zuvor in der Geschichte.

Da gibt es viel zu lernen aus den praktischen Erfahrungen des SPK (Sozialistisches Patientenkollektiv) und aus seiner alles umfassenden Theorie des Krankheitsbegriffs. Die ganze sonstige Weltliteratur enthält nichts dergleichen.

Frei und selbständig müssen die Mitwirkenden dies alles anwenden lernen; denn woanders ist alles immer irgendwie noch etwas anders.

Hauptsache, die Richtung stimmt und am Grundlegenden wird unbeirrbar festgehalten, unbeirrbar durch Ideologismen und durch Hoffnungen und Vertrauen in wissenschaftstechnische oder politische Versprechungen und Einflüsterungen aus welcher Ecke auch immer.

Wie jede und jeder selbst SPK machen kann: MFE-Kollektiv

SPK/PF(H)

Krankheit im Recht

Pathopraktik mit Juristen

J. W.

Straße

Berlin

 

Lieber J.,

bei unserem gestrigen Telefongespräch waren viele wichtige Themen dran, die, obwohl langes Gespräch, klarerweise nur kurz angerissen werden konnten. Auch früher hatten wir immer mal wieder über manches gesprochen, wir kennen uns ja inzwischen auch schon eine ganze Weile. Aber nachdem Du diesmal über das Scheitern all dessen geklagt hast, was für Dich in den letzten Jahren politisch wichtig war und für Dich weit und breit keine Perspektive in Sicht, wollten wir nicht versäumt haben, in aller Deutlichkeit noch einmal gesagt zu haben, daß es für hier und heute, nach Lage der Dinge tatsächlich und real nichts anderes gibt als: Patientenfront machen.

Spontan wirst Du da vielleicht sagen: die Platte kenn’ ich, jeder Verein hält sich doch für den Nabel der Welt. Da gibt es aber einen Unterschied, denn, Bescheidenheit hin, Unbescheidenheit her, ist es nun einmal tatsächlich so und nicht anders: Krankheit ist der Nabel der Welt (sieh’ Dich doch mal um!) und folglich auch wir, die sich auf Krankheit in spezifischer Weise beziehen. Nun gilt dies aber genauso für jede und jeden anderen sonst, der das Gleiche tut, ganz unabhängig von uns, und allein schon deshalb brauchen sich andere an unserem "Nabel" erst gar nicht zu stören. Was wir wollen, das möchten die meisten, nämlich dies: mit ihrer Krankheit gemeinsam selbst klarkommen. Sie alle fordern wir auf: Tut was für Euch, macht selber Patientenfront, so hatten wir das schon vor 14 Jahren in einer Sendung bei Radio Dreyeckland.

Im übrigen sind auch Außenstehende durchaus imstande, die Wichtigkeit unserer Richtung in ihrer vollen Konsequenz zu erfassen. Eine Stellungnahme aus dem Ausland zu der Veröffentlichung unseres Buches SPK - Aus der Krankheit eine Waffe machen auf spanisch, Anfang dieses Jahres, weist ebenfalls in aller Deutlichkeit darauf hin, wie wichtig die Schärfe der Unterscheidung ist, und das nicht nur für Patienten, die auf der Suche sind und Orientierung brauchen, sondern für alle, denn wer wäre heute nicht Patient: Das SPK ist keine Gruppe unter Gruppen. Die ganze Welt hängt von Euch ab. Alle müssen sich sehr ernsthaft darum bemühen, Krankheit in eine revolutionäre Waffe umzuwandeln, um sie zu erkennen (Stellungnahme anbei; abgedruckt in Patientenstimme Nr. 3, Seite 36f).

Es ist auch nicht selten so, daß gerade diejenigen, die schon reichlich Erfahrungen gemacht haben in den üblichen politischen Gruppierungen und anderswo, den Unterschied all dessen zu unserer Richtung ziemlich klarhaben. "Seitdem ich Eures kenne, sehe ich erst, wieviel in der Linken ausgeklammert wird, was alles fehlt, was gar nicht erst in den Blick kommt und welche völkermörderischen Gefährdungen (Genozid) für große Teile der Bevölkerung, falls nicht", so vor kurzem wieder welche von einem Jugendzentrum.

Seit anfangs noch so verruchten und verfluchten SPK-Zeiten haben wir immer mehr und breitere Zustimmung gefunden, während alles andere immer weiter verrottet ist. Dennoch können wir auch von der Zustimmung nichts abhängig machen. Aber wer genauso als Frontpatientin und Frontpatient seinen eigenen Weg gehen will wie wir, z.B. Du selbst und mindestens noch zwei andere, kann sicher sein, daß jedenfalls wir es nicht sein werden, die ihm all die Knüppel in den Weg schmeißen werden, die da von Feindseite her massenhaft anfallen aber, und auch das haben wir gezeigt, beiseite zu räumen sind, kraft Krankheit.

Als Ergänzung zu unserem Telefongespräch hier anbei einige Kopien, mitten raus aus einem Text von uns (vgl.: KRANKHEIT, DIE GANZHEIT MIT ZUKUNFT; KRRIM -Verlag für Krankheit, S. 87f, 368-375, siehe unten).

Was von dem Aufgeschriebenen für Dich aktuell brauchbar und wichtig ist, entscheidest Du selbst in Verbindung mit denen, die ebenfalls an der Sache dran sind.

Es haben ja schon Leute selbständig angefangen, die erst einmal nur den Buchumschlag von Krankheit-Waffe gesehen hatten mit der Nierenstein-Parole drauf und sonst nichts und allein das war schon Impuls genug, beispielsweise vom Heroin loszukommen und zwar erklärtermaßen ohne und gegen jeden Arzt und jede Sorte Entzugstherapie (s. Patientenstimme Nr. 2, S. 41, Kopie anbei). Oder wir erfuhren von einem MFE erst dann, als der schon mehr als ein Jahr lief, und dann erst hatten wir direkten persönlichen Kontakt. Auch hier war SPK - Aus der Krankheit eine Waffe machen der Anstoß fürs Anfangen gewesen. Und auch das waren welche, die zuvor und schon lange in der gängigen Politik dabei und ziemlich aktiv waren, aber auch sie hatten den Eindruck, so wie Du, das Wichtige läuft immer ganz woanders. Seit die mit Krankheit und bei sich selber angefangen haben, ist das vorbei. Bei einem selbst kommt man nämlich nie zu spät. Bei irgendwelchen schon bestehenden SDAJ- oder sonstigen Vereinen genau im Gegenteil. Da war und ist und wird zunehmend alles für alle und immer schon zu spät. Stimmt’s? Und mittlerweile haben die anderen zunehmend den Eindruck, daß sie es sind, die den Anschluß verlieren.

Nochmal unser Vorschlag: Du fängst jetzt an und machst selber MFE-Patientenfront, wie in den Beispielen angedeutet. Du machst das so, wie Du bzw. ihr drei oder vier, die sich aufeinander verlassen können, das wollt. Wenn ihr dann meint, ihr könntet mit weiteren Tips von uns was anfangen oder mit Tips von anderen MFEs, die es schon gibt, dann laßt es uns wissen. Aber fragt besser nicht bei Hinz und Kunz, d.h. bei "Studenten", "Proleten" oder "Betuchten" nach. Die sind nämlich in dieser Beziehung unbrauchbar, verloren, kurz: Zeitverschwendung; denn die Welt hat nicht für alles ewig Zeit, auch wenn Du jetzt erst 29 bist – (und damit für die "Autonomen" übrigens sogar schon zu alt. Bei Castro waren um 1959 die ältesten "Autonomen" – Gebirgs-, Wald- und Feldbauern – so um die 70 alt und sogar hochwillkommen, wenn alle sonstigen Bedingungen erfüllt waren).

Wie können solche Tips dann aussehen? Brandneues Beispiel: da wollten welche im Ausland, die schon angefangen haben MFE zu sein, einen Beistand im Krankheitswesen haben für einen bestimmten justiztechnischen Zweck. Unser Tip in diesem Fall: ihr sucht euch jemanden, der Null Ahnung hat, aber will; und der lernt dann das Nötige von euch. Antwort: prima, prima! Das ist ja dann schon Befreiung von einer ganzen Menge überflüssigem und schädlichem Zeug. Da wird man ja wirklich unabhängig. Das ist ja das glatte Gegenteil von einer Sekte, einem Verein, einer Partei oder gar der Diktatur von "Fachkräften". Das ist das einzig Richtige für hier und heute. Nur so kann man anfangen und dann auch wirklich vorankommen, wenn das durchgezogen wird.

Laß mal von Dir hören, was Du dazu meinst.

Beistand im Krankheitswesen

P.S. Wenn nun das Ganze ein Mißverständnis und von Dir gar nicht so gemeint war, macht das auch nichts. Mit der Dr. Hugo- und der Zahnarztsache geht es ja sowieso weiter (daß die Mordkommission bei dem Zahnjacker eingefallen ist, hat alle mords gefreut, die davon erfahren haben).

Was ist der Unterschied zwischen Aktionismus und Pathopraktik?

Heutige und Künftige werden Patientenklasse oder die iatrokapitalistisch gesteuerte Krankheit gibt dem Rest den Rest. Das ist krankheitsgewiß, so gewiß es Gewißheit gibt, die krankheitsmateriell ist, nämlich als Krankheitsgewißheit und als nichts außerdem.

Das Gewissen aus dem Bundestag, bei den Richtern und alle sonstige Gewissenhaftigkeit war, ist und bleibt eine irrationale Kategorie.
Das hat nicht nur die "Linke" mal gelernt und längst wieder vergessen in den letzten 200 Jahren. Aber "die Revolution ist gründlich",
die Revolution aus Krankheit, wäre dem hinzuzufügen.

 

Aus: KRANKHEIT, DIE GANZHEIT MIT ZUKUNFT, Seite 87f.:

Schulungskurs oder Prinzip Multifokaler Expansionismus?

FP 2: Der Ausgangspunkt unserer Diskussion war der Krankheitsbegriff und es ging um die praktische, pathopraktische Wirksamkeit. Hier in dieser Veranstaltung können wir Sie ja "nur" informieren, erstmal. Das ist ein Unterschied. – Weil im Esoterischen und im Politischen so viel die Rede von ‘Schulung’ ist: Es ist ein Unterschied, ob Sie etwas über ‘Schulung’ hören oder eine ‘Schulung’ machen. Vergleichsweise gesprochen, ist das hier natürlich nicht die ‘Schulung’ selbst. Das ist erst, wenn Sie das aufgreifen, das selber machen, zusammen mit Ihren Leuten. Aber dadurch, daß man über die Sachen redet, werden Sie wenigstens real und haben dadurch die Aussicht, mit Krankheitswirklichkeit in Verbindung zu treten. Wir fordern Sie nicht auf: Kommen Sie auf unser Wochenendseminar, 800 DM oder so. Nein, nicht Ausnahme und Freizeit, auf Ibiza oder im Schwarzwald, sondern den Alltag zum Ausnahmezustand machen. Selber aufgreifen, selber machen. Prinzip MFE haben wir das im SPK genannt, Multifokaler Expansionismus, die zugehörige "Organisationsform". Sie machen es mit den Leuten, mit denen Sie auch sonst zusammen sind. Da wird sich dann auch schnell zeigen, wer dabei bleibt, wer zusammenarbeitet und wer nicht. Polarisierung, welche rücken zusammen, andere bleiben weg. Wäre sonst sowieso Zeitverschwendung mit den andern, mehr noch, die würden Sie auch sonst im Stich lassen, wenn es darauf ankommt. Sie brauchen sich dann auch nicht mit 1000 Ausreden auseinanderzusetzen, wenn es mal gerade spannend wird. Also Krankheitsbegriff und Diapathik. Im Einführungsvortrag war das ja auch mit Biologischem und Physikalischem in Zusammenhang gebracht. Merkwort: Propagation, nein Fortpflanzung, hieß es dort.

FP 3: Vielleicht nochmal zurück zu der Frage von vorhin: "Wenn ich Schmerzen habe, muß ich doch etwas dagegen tun." Da blenden Sie (zu N gewendet) den Entstehungsprozeß der Schmerzen aus. Und nicht nur das: Es gibt zwei Möglichkeiten, von Krankheit Gebrauch zu machen: Die eine, es sich bequem zu machen und kräftig daran mitarbeiten an der Aufrechterhaltung der krankmachenden Verhältnisse, bis es so zwangsläufig wie gesetzmäßig zu manifesten Krankheiten und Schmerzen kommt und dann zum Arzt zu gehen. Die andere Möglichkeit: In dem Wissen, daß jeder sowieso krank ist und die Situation, daß er Schmerzen hat, früher oder später dann auftaucht, vorher was zu tun. Also gar nicht zu warten, bis die Kopfschmerzen z.B. auftreten, sondern sich vorher schon überlegt zu haben: In welchen Zusammenhängen sind die denn bisher aufgetreten? Was können wir gemeinsam tun? ... Also, daß Sie nicht nur den Betrieb einbeziehen müssen, sondern den Kapitalismus im Ganzen, die kosmischen Zusammenhänge, Astropathie z.B., die Planetenstände usw.

Aus: KRANKHEIT, DIE GANZHEIT MIT ZUKUNFT, Seite 368-375:

Zeitperspektive der Revolution. SPK-Aktionsformen

Q: Das kam mir schon immer ziemlich abgehoben vor, das mit den verschiedenen Aktionsstufen, schön nacheinander. Bei Euch, SPK und Patientenfront, ganz anders, nämlich alles auf einmal. Ich kenn das noch von den 68ern, so eine Liste von Aktionen über Widerstand, Revolution. Ganz unten fängt das an mit Sich-Informieren, dann Spruch an die Klowand im Betrieb, Flugblätter, Versammlungen, Demos, wo man aber immer aufpassen muß, daß es nicht zu schnell geht, wegen dem Bewußtsein der Massen, das ist dann noch nicht so weit, heißts dann immer. Dann Bewaffnung, Gebiete erobern, den Klassenfeind zu Verhandlungen zwingen, Ausweitung, Sturz der Regierung, Machtübernahme, eigenen Regierungsapparat installieren. Dann erst kann man langsam an Verbesserungen gehen auf ökonomischem und gesellschaftlichem Gebiet. Und an Kliniken, Klapsmühlen und Knäste war dann ja noch gar nicht mal auf dem Papier gedacht.

X: Schritt für Schritt für Schritt für Schritt ... braucht alles unheimlich lang Zeit, eigentlich so ein Evolutionsmodell vom Niederen zum Höheren. Kann immer mal wieder Verzögerungen geben, Rückschläge, Rückfälle, dann das Ganze wieder von vorn. (Zu FPs gewandt:) Ihr sagt dagegen kategorisch: Krankheit am Anfang, mit Krankheit weitermachen, bei Krankheit bleiben. Also keine Stufen, keine Politik der kleinen Schritte oder auch der großen Sprünge und die großen Ab-Sprünge, nicht zu vergessen.

Programmiertes Massensiechtum unter Ärzteherrschaft

FP 7: Die Verhältnisse sind extrem geschwächt, zugleich so, daß die Leute selbst auch zu schwach sind, eine der Revolutionen in irgendeiner der herkömmlichen Weisen zu machen. Aber jetzt von allem ärztlichen Bestimmtsein freizukommen, dafür kann jeder, jederzeit und überall sorgen. Das ist bei weitem mehr, als es den Anschein hat. Das ist das Mittel der Gesamtumwandlung, Aufhebung der Erfahrungsgesamtheit (universal, a priori und transzendental). Es ist dringlicher denn je. Alle Zeichen stehen auf Krankheit. Es gibt keinen anderen zeitgemäßen Revolutionsansatz. Können Sie uns einen nennen? Die bisherigen Ansätze sind durch Ereignisse, Beschleunigung, Entwicklung, Potenzierung der Entfremdung überholt. Die Entwicklung ist die allgemeine Zerstörung (Evolution - !). Eine kontinuierliche, unumkehrbare, wie gelegentlich sprunghafte: Seveso, Bhopal, Tschernobyl, Gefangenenverbrennungen (Brände in Heilanstalten, Altenheimen, Kinderheimen, Asylen), BARSCHEL und die FLICKse und ABSe.*

* Notiert nicht anläßlich der Parteispendenaffäre, sondern 1971, SPK-Dokumentation II, Seite 1. Reporter der BUNTEN hatten sich damals öffentlich krumm und schepp gelacht, wegen FLICK & ABS.

Stärken Sie das kollektive Patientsein. Lösen Sie Ihren Bezug zu diesem massenmordenden Medizingespenst Iatrokapitalismus. Wenn der nächste Knall kommt, sind Sie dann schon mal noch ganz anders vorbereitet. Sie können also den im Marxismus so genannten subjektiven Faktor durch Krankheit ersetzen. Da haben Sie mehr, da haben Sie was anderes. Subjektiver Faktor und objektive Verhältnisse in Krankheit aufgehoben. Krankheit die Ganzheit mit Zukunft.

Wer wollte sich dem entgegenstellen? Die Ärzte mit ihren Mitläufern in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft. Denen nützt es, Krankheit als Einzelschicksal der Andern festzuschreiben. Die räumen ihre Posten und Plätze nicht freiwillig, machen grad so weiter, nach allem was schon war. Die Ärzte setzen sogar Megatonnen von Giften ein, um ihren Platz zu behalten. Für die heißt es doch: Wir werden weitermarschieren, bis alles in Scherben fällt, wir ruinieren Deutschland und morgen die ganze Welt. Also Massensiechtum unter Ärzteherrschaft, zunehmend. Das ist deren Programm. Deshalb nochmal: Krankheit am Anfang, mit Krankheit weitermachen, bei Krankheit bleiben. Vollständig, endgültig, nachhaltig.

Aktionsschema der Pathopraktik

I: Was ich weiß vom SPK, da war vom Start weg alles drin, ging Schlag auf Schlag, gleich von Anfang an, hat in den paar Monaten

Zwischenruf: 1 ½ Jahre

mehr Sachen auf den Weg gebracht und vom Holzweg weg, als andere, die 10 Jahre und mehr Zeit hatten. Ihr seid an Sachen drangegangen, wie wenn jeder Tag der letzte wäre. Gibt’s auch im Spiritualismus, wird so eine Haltung gefordert. Also das ging wirklich schlagartig, Schlußpunkt schon gemacht, Beschaffungsbestände gibt’s irgendwo; dann mal Vollversammlung, mal Verwaltungs-, mal Rektoratsbesetzung, direkte Konfrontation, andere Städte, Druckmaschinen und parallel ... sowieso: Arbeitskreise über Dialektik, MARX, LENIN, REICH, HEGEL. Das ist mir hier auch klarer geworden: wenn man schon krank ist, dann kann man sich mit Krankheit nicht dadurch in Beziehung setzen, daß man bestimmte einzelne Einrichtungen oder einzelne Paragraphen angreift, "Weg mit § sowieso". Muß grundlegender sein, alle Bereiche umfassen, bis in die Denkvoraussetzungen im Hirn. Dann kann prinzipiell nichts danebengehen, nichts kann prinzipiell falsch sein, wenn der Bezug zu Krankheit da ist.

Ga: Überall und jederzeit sofort, war die Parole.

FP 3: Warten auf den St. Nimmerleinstag geht bei Krankheit nicht. Seine Geduld (als Patient noch und noch verloren, gelernt und wieder gelernt) an überzogene Mittel vergeuden, geht ebensowenig. Alle Mittel sind Gegenmittel. Auf Schlag folgt Rückschlag. Die iatrokapitalistische Realität: gebunden im Netz von Raum, Zeit, Kausalität.
Raum, Materie, das ist: Stoß, Druck, Unterdrückung, Last, Belastung, Mauer, Grenze, festgelegter Platz, da und nicht dort.
Zeit: Zeit-Druck, Hetze, ewige Wiederkehr des Gleichen, Langeweile.
Kausalität: Unabänderlichkeit, Zwangsläufigkeit, Schicksal.
Insgesamt: die Welt mit Brettern vernagelt, Bewußtsein hinkt hinterher.
Eingreifen ist Stückwerk. Zukunft nur Wiederholung und Katastrophen.

Was heißt denn kranken im Iatrokapitalismus? Die Ärzte sagen Dir, Du hast noch 3 Monate zu leben, diktieren Dir – in aller Freundschaft, versteht sich – , Deine Ration Lebenszeit zu und wenn Du nach 3 Jahren dann immer noch lebst, dann war das aus der Krankheit. Und es ist dann immer die Krankheit, die über der Zeit steht. Über Deiner Lebenszeit, über dem Raum, über allen Gründen und Folgen.

Alles Schrittweise ist untauglich, notwendig ist: Gelingen sofort. Deshalb alles parat haben, vollständig, gleich vom Start weg. Den Apparat aus Materie für die Materie vor die Materie. Keine Infrastruktur, keine Strukturierung der Materie, überhaupt keine Struktur, sondern Wirklichkeit, gestaltlose, kranke Wirklichkeit und die Materie, die dann daraus resultiert, die ist erstens garantiert unentfremdet, zweitens interessant und drittens nicht von Pappe.

Lachen, vor allem ob der mitreißenden Begeisterung

FP 4: Denken Sie an das Beispiel mit dem Zahnschmerz: Zahnschmerz hier, eingespeichelte Watte dort, Entfernung spielt keine Rolle, Einflußnahme hier, ist unmittelbare Wirkung dort. Raum aufgehoben, Ursache-Wirkungsschema zerbrochen.

Denken Sie an das Tarot-Beispiel: Vorwegnahme dieser Veranstaltung hier samt Ergebnis und Folgen schon Monate zuvor. Zeit aufgehoben, etwa so: lesen Sie heute schon die Nachrichten von morgen. Mehr noch: Machen Sie heute die Nachrichten von über-morgen.

Das entsprechende Tun nannten wir Pathopraktik, die Begründung, weshalb das funktioniert Diapathik. Utopathie das Ergebnis.

WOLFGANG HUBER hat das in dem Merksatz zusammengefaßt, wir hatten es schonmal: "Pathopraktik zu machen mit den Mitteln des Spiritualismus heißt, den Krankheitszusammenhang dem Wärmezusammenhang einpflanzen." Die zugehörigen Formeln waren: Pathopraktik ist Wurzel und Gipfel aller Fortpflanzung, Thermomimetik der Einstieg, Gattungs-Einheit in Krankheit Grundlage und Ziel.
Es funktioniert, weil Krankheit Gattung ist, nicht nur Sache des Einzelnen, sondern Gattungs-Einheit, funktioniert, weil Wärme sich fortpflanzt, selbst Packeis kein Hindernis.

Also Raum, Zeit, Kausalität, die ganze Realität aufgehoben und ruiniert.

Ga: Krankheit läßt sich nicht verschieben, irgendwo weiß man das ja. Und wenn ich mich tatsächlich auf Krankheit einlasse, auf die Eigengesetzlichkeit der Krankheit, hieß das vorhin, sind alle anderen Gesetze gebrochen, alle Vorschriften außer Kraft, alle Fremdbestimmung weg. Ohne Krankheit hätte ich ja gar kein Verhältnis zum Außen. Nur über Krankheit weiß ich, ob die Beziehungen, die ich eingehe, ob die überhaupt was für sich haben. Krankheit als Wirklichkeitsgarant. Wenn ich mich jetzt also voll mit Krankheit verbünde, dann bin ich dem, was von außen an mich drankommt, Zerrissenheit, Realität, Entfremdung, Verblendung, ganz anders gewachsen, bin ich schon ein paar Schritte voraus.

FP 5: Die Zeit selbst als Eigenschaft des Inhalts Krankheit, folglich die Zeit selber in revolutionärer Umwälzung, falsche Plätze und Stellen ausquetschend wie Schwämme und kantige Steine, dadurch raumgreifend und Entwicklungen überspringend.

Ue: Also von da aus kann ich dann ganz anders eingreifen, vorher eingreifen. Im Politischen heißt das: Dem Gegner immer um eine Nasenlänge voraus sein. Aber auch im Alltag verändert sich alles, wenn man so drangeht ... .

FP 2: Nachhaltig, endgültig, vollständig, ja. Alle Bedingungen miteinbezogen, vorgreifend. Nicht hinterher Kritik und Selbstkritik, Vorwürfe, Zweifel, Spaltung und der ganze Aufwasch und was da alles zu tun ist, nachdem es schief gelaufen ist, sondern aufgehobene Entfremdung gleich vorweg. Sie glauben nicht, was da an Überflüssigem dann schon von vornherein wegfällt, wie leicht und sicher sogar riskanteste Unternehmungen von der Hand gehen. Heißt für die, die das machen: Stärkung des kollektiven Patientseins, für jeden Einzelnen: Krankheitsgewißheit. Heißt für die Iacker: Gegenwehr unmöglich, zu spät, verzetteln sich, kommen ins Reagieren, haben aber kein passendes Reaktionsschema zur Hand. Unnachahmbar für Iacker und Konsorten weil: da platzt der Stellenwert, die (Arbeits-)Stelle.

Sa: Das Voraussein, vorher schon sehen, was kommt, vorher eingreifen, dem Ereignis schon ansehen, daß es gar nicht eintreten wird – diese Drangehensweise, gehört das zu Krankheit dazu? Habt Ihr deshalb so einen Überblick, weil das nötig ist für Krankheit? Wenn ich mir überlege, was Ihr heute und gestern alles gebracht habt ... Wie Ihr das alles auf Krankheit gebracht habt ... Ich allein könnte das nicht .... .

Krankheit ist die Kraft, die Kollektiv erschafft

MFE-Kollektive (Multifokaler Expansionismus)

FP 3: Es braucht niemand mehr ganz von vorn anzufangen, bei Null. Deshalb schreiben wir auch dies ausnahmsweise auf, sozialisieren, hier das Tonband, für das Buch ... . Und von wegen allein: Sie haben sowieso Leute um sich herum, davon fallen 90% weg, bleiben zwei übrig, mit denen es hinhaut. Kommen dann noch mehr dazu. Kommt einiges zusammen, ist überhaupt erst einmal Gelegenheit, über all das zu sprechen, über Krankheit. Wird sonst überall verhindert. Vereinzelung, Konkurrenz, teile und herrsche, Naturlauf, Wertlauf, Leerlauf, Leer-lauf, Rücklauf und zum Schluß ist alles alle.

Pi: Das wäre Idealismus, bürgerlicher, kleinbürgerlicher Idealismus gewesen, wenn Ihr das vor siebzig Jahren oder auch vor dreißig gesagt hättet ... ich möchte das verständlich machen, aber mir fallen da nur diese alten Schlagworte ein ... und wenn ich sage, der Punkt, an dem es keine Rückkehr mehr gibt, ist längst überschritten, dann ist das genauso ein Schlagwort.

FP 2: Sie begreifen die Realität als eine sterbende, bürgerlich hin, bürgerlich her. Es hat ja alle schon voll getroffen, auch die, die es noch gar nicht gibt. Sie kleben nicht länger dran, an dieser Realität. Können dadurch die ganze Realitätsebene verlassen. Und der Krankheit wegen sind Sie schon bei Wirklichkeit. Wie? Krankheit ist die Kraft, die Kollektiv erschafft. Dazu muß man die Krankheitskraft in einer bestimmten Weise gruppieren. (Ja, Pluto im Skorpion). Vielleicht ein technisches Beispiel: Da hat mal der VOLTA was zusammengesetzt, Säure und Metall in bestimmter Anordnung: Batterie, was völlig anderes als vorher die Bestandteile. Heute haben wir die Krankheit, kann man aufspalten, reaktionäres, revolutionäres Moment, Krankheitsbegriff

zeigt auf die Wandzeitung

kommt was in Bewegung, tut sich was. Tun Sie was. Um beim Technikvergleich zu bleiben:

Soll Strom fließen, einen Motor antreiben, müssen Sie für Isolation sorgen, Kriechströme ausschalten, damit Sie den Strom gezielt einsetzen können. Sonst läuft nichts. Bei Krankheit genauso. TAV (Totale Aussageverweigerung, und keinerlei Mitmachen mehr bei der Polizei, beim Staatsanwalt, in Haft, vor Gericht, beim Arzt und bei der (insbesondere deutschen!) Presse, TV usw., und zwar auf immer und überall) auf anderer Ebene. Also: Verschleudern Sie die Krankheit nicht. Machen Sie MFE-Kollektiv. MFE heißt: Multifokaler Expansionismus. Jeder macht dort weiter, wo er ist: Schaffen Sie einen Stützpunkt für Krankheit, zusammen mit andern. Nur so kriegen Sie noch Orientierung, lernen Freund und Feind unterscheiden, können Front machen. Werden nicht länger selber gespalten, konfrontieren die mit Widerspruch, mit Widerstreit. Wir haben uns ja auch mal für den Rest der Tage dieses Jammersystems angestrengt und eingesetzt für anderer Leute Sorgen um Partei und Massen, Zu-Stimmzettel und connections. Ist abgefallen. Nebenbei.

Ae: Also mittendrin und voll dagegen, rausgehoben, Widerspruch aufgebaut, polarisiert. Kristallisationspunkt, wo sich was festmachen kann. Bringt was Neues in Bewegung. Von Krankheit aus: im Bestehenden gegen das Bestehende, das rollt den Laden von innen her auf. Da habt ihr auch das Prinzip drin: sich vom Gegner nicht das Kampffeld diktieren lassen.

Y: Machtfrage und so, das ist nicht Euer Bier, oder?

Die pathopraktische Lösung der Machtfrage

FP 6: Macht ist heute Technik. Wenn es für alles eine Lösung gibt, dann ist das immer eine technische. Sie müssen schon selber Techniker sein, Machttechniker, Arzt, Iatrokrat, damit Ihnen das nicht saudumm vorkommt, was da so läuft an Technik. Das ist eine einzige Metaphysik, die Technik, saudümmer, als jede mittelalterliche jemals. Die gibt sich selbst den Rest, während sie von Krankheit links überholt wird. Krankheit kann nicht rechts. Aber überholt hat sie schon längst. Macht und Krankheit sind unverträglich. Die Macht hat ausgesiegt in den letzten 40 Jahren. Kein Gipfel ohne Null-Lösung. Von Kompromiß zu Kompromiß. Krankheit ist kompromißlos. Es gibt für die Machtfrage nur eine Lösung: die pathopraktische. Das Merkwort Selbstbrandmarkung fiel vorhin. Machen Sie mal den Versuch, brandmarken Sie sich selbst als Patient. Passen Sie auf, was geschieht. Abscheu oder Ansteckung, egal. Aber gleichgültig bleibt da keiner, das Wertsystem knacken Sie da gleich mit, Sie als Wertloser.

Ae: Dann hätte ich in Krankheit ein Werkzeug, eine Waffe, die ich nicht mal wegschmeißen kann.*

*Beim Rausgehen zu einem FP: "... wird noch wochenlang Stoff zum Nachdenken geben ... die Zweifler sind auf der Suche ... "

FP 7: Da kann auch die Polizei nichts machen. Und auch kein Arzt.

Z: Ist Pathopraktik so etwas ähnliches, wie wenn es als schon geheißen hat, ich zitiere: "... sonst spricht die Waffe!" ?

FP 7: Nein, nein, ganz im Gegenteil. Pathopraktik ist keine Spitzelkolportage. Pathopraktik ist praktisch, nichts was irgendwie heißt, mal so heißt, dann mal wieder doch ganz anders gemeint war. Im Unterschied zu jenen paar Gelegenheits-Ballermännern, hat kein Jehova-Zeuge je auch nur den Versuch gemacht, uns zu bekehren. Pathopraktik ist der verdeckte Angriff auf zwei Ebenen, deren einer nur real ist, nicht spürbar wirklich, folglich auch nicht besonders wirksam zu sein braucht. Sie bedarf im allgemeinen keines besonderen Schutzes. Sie ist sozusagen gesetzlich geschützt. Wenn nötig aber steht sie in ihren Konsequenzen unter Feuerschutz, qualitatis sempiterni. Das ergibt, etwas humorlos gesagt, in der Fortsetzung einen recht zuverlässigen Zivilschutz per iterationem.

Sy: Wie heißt die?

FP 7: Vollständig, um nicht zu sagen: ganzheitlich heißt das capitis et caudae draconis ...

Zwischenruf, erbost.

FP 7: Ja, das ist lateinisch und hat mit Humor und Spaß nun wirklich nichts mehr zu tun. Aber auf Pathopraktik kommen wir ja noch mehrfach zurück. Da geht es dann wieder um Sachzusammenhänge, die alle was angehen und für die man das Wort Pathopraktik gar nicht braucht. Das hier war ja nur speziell auf Ihre Frage und in der Absicht, präzise zu sein. Konnten Sie notieren? Gut.

PF/SPK(H), 09.08.2010

Aus der Krankheit eine Waffe machen
Wut und Ärger in die Tasten hacken
Viele sind im Angriff gegen Iacker
Mit der Krankheit für und für
Wie man’s macht, steht hier